
Jeden Mittwoch um 15 Uhr halten Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Österreich den Atem an. Vor allem jene, die in den vergangenen sieben Tagen selbst ein neues Buch auf den Markt gebracht haben. Denn da entscheidet sich: Hat das Publikum angebissen oder ist das Werk schneller verramscht, als Tantiemen fließen?
Die Wochen-Bestsellerliste des Hauptverbands des österreichischen Buchhandels ist das Barometer des heimischen Buchmarkts. Wer auf dieser landet, erhöht die Chancen, gesehen, gekauft, gelesen, weiterempfohlen zu werden. Und letztlich mit dem Schreiben auch wirklich Geld zu verdienen. Doch das bleibt den meisten verwehrt. An dem Traum halten trotzdem viele fest.
2,2 bis 4 Millionen Bücher erscheinen weltweit jährlich
Reichenau an der Rax in Niederösterreich. Da, wo einst Arthur Schnitzler seine Sommerfrische verbrachte und den berühmten „Lieutenant Gustl“ schrieb, treffen diese Woche acht angehende Autorinnen und Autoren im Hotel Marienhof zusammen. Sie nehmen teil am Workshop „Die Bestseller-Formel“, veranstaltet von der Unternehmerin Sabina Witt-Pambalk, die der Region mit Salons und Veranstaltungen noch mehr Kultur und Literatur einhauchen will. Zwei volle Tage werkeln die Nachwuchs-Autoren aller Altersgruppen an ihren Manuskripten, an Marketing-Ideen und Romanfiguren. Pausen wollen sie keine, dafür Insider-Tipps von Workshop-Leiterin und Bestseller-Autorin Martina Parker. Die liefert sie.
Martina Parker hat geschafft, was viele wollen. Seit 2021 veröffentlicht sie alle sechs bis acht Monate ein neues Buch – jedes ein Bestseller. Ihre Startauflage hat bis zu 25.000 Bücher, üblich in der Branche sind 2.000. Ihr Debüt, der Gartenkrimi Zuagroast, wurde verfilmt und zum Streaming-Hit. Per Zufall ist das nicht passiert.
Martina Parker kommt aus dem Journalismus, weiß, was eine gute Geschichte ausmacht, und hat schnell verstanden, wie der Buchmarkt funktioniert. Also ließ sie potenzielle Leser beim Schreiben ihres ersten Buches über Social Media mitgestalten, um sie neugierig zu machen. Vor Erscheinen des Debüts klapperte sie den Buchhandel ab, verschenkte Pflänzchen in Katzenfutterdosen mit Zuagroast-Stickern. Auf Golfplätzen verteilte sie Leseproben, die Medien bekamen Joints und Kondome zur Pressemitteilung. Alles für die Aufmerksamkeit, für den Hype, ohne den in dieser Branche nichts geht.
Denn der Buchmarkt ist hart umkämpft. Jährlich erscheinen weltweit laut Unesco zwischen 2,2 und vier Millionen Titel. In Österreich stammen nur elf Prozent der verkauften Bücher aus heimischen Verlagen. Finanziell getragen wird der Markt von wenigen Kassenschlagern – meist (internationalen) Erfolgsautoren. Der Rest sei „eine Pferdewette“, sagt Parker. Verlage hoffen, den nächsten großen Star zu entdecken. Buchhändler kaufen zögerlich ein, setzen auf Bekanntes oder Autoren, die durch Mundpropaganda und persönliche Empfehlungen vielversprechend klingen. Ladenhüter können sich Händler nicht leisten, denn das Porto für den Rückversand ist teuer. Floppt ein Autor einmal, verschwindet er schnell wieder aus den Regalen, und das dauerhaft.
8 bis 10 Prozent des Nettoladenpreises pro Buch gehen an den Autor
Das Marketing kann noch so groß sein – um vom Schreiben leben zu können, zählt nicht der berühmte Name, kein Bestseller-Sticker, den man sich in Wochen mit wenig Konkurrenz sogar ab ein paar hundert Büchern sichern kann, sondern der Leser. Denn Autoren in Österreich werden nicht pro geschriebenes Wort bezahlt, sondern für ihre verkaufte Stückzahl, an der sie prozentuell beteiligt sind. „Sehr viele Bücher verkaufen …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



