WKO-Jobabbau: „Ungewissheit ist für Mitarbeiter eine menschliche Katastrophe“

Wirtschaft

Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) steht vor einem massiven Personalabbau. Bei der Betriebsversammlung am Mittwoch um 09.00 Uhr war Stimmung sehr bedrückt. 200 Vollzeitäquivalente sollen gestrichen werden – doch der Betriebsrat tappt weiterhin im Dunkeln. Andreas Taust, Obmann der Konzernvertretung WKÖ, übt scharfe Kritik an der Informationspolitik der Kammerleitung.

Monatelange Ungewissheit belastet Belegschaft

„Wir waren bis jetzt in den gesamten Reformprozess nicht eingebunden“, erklärt Taust im Gespräch. Eine Aussage, die aufhorchen lässt: Während der Personalabbau nach außen bereits kommuniziert wurde, kennt die Arbeitnehmervertretung weder die betroffenen Abteilungen noch konkrete Namen. „Wir wissen zwar das, aber wir nicht wer“, so der Betriebsratsobmann. Diese Ungewissheit bezeichnete er als „menschliche Katastrophe“ für die Mitarbeiter.

Erst nächste Woche Montag hofft der Betriebsrat, die Rahmenbedingungen des Sozialplans zu erhalten. Dieser wurde offenbar ohne Beteiligung der Arbeitnehmervertretung ausgearbeitet. „Wir können es rechtlich alles noch nicht beurteilen als Betriebsrat, weil wir die ganzen Eckdaten noch gar nicht kennen“, kritisiert Taust die Vorgehensweise.

Klarheit frühestens im August

Aufgrund gesetzlicher Fristen – Sozialplanverhandlungen und Stillhaltefristen wegen der AMS-Meldung – wird die Belegschaft frühestens im August erfahren, wer tatsächlich betroffen ist. Bis dahin herrscht Unsicherheit in einer Organisation, die als Interessenvertretung der österreichischen Wirtschaft selbst unter massivem Spardruck steht.

Pensionierungen reichen nicht aus

Die Hoffnung, den Stellenabbau über natürliche Fluktuation abzufedern, erfüllt sich nicht. „Wir haben nicht so viele Pensionierungen, die das abdecken könnten in den nächsten zwei, drei Jahren“, stellt Taust klar. Zudem müssten manche Pensionierungen nachbesetzt werden – „aufgrund der Fachexpertise und der Interessenvertretung, die einfach unser gesetzlicher Auftrag ist“.

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Teil eines größeren Sparpakets

Der Personalabbau bei der WKÖ ist Teil eines Gesamtsparpakets von 100 Millionen Euro für die gesamte Organisation. Wie hoch der konkrete Betrag ist, der beim Personal eingespart werden soll, konnte oder wollte Taust nicht beziffern. „Ich kenne keine Rahmenbedingungen“, betonte er mehrfach.

12.000 Funktionäre, 5.500 Mitarbeiter

Bei der Opposition stießen die Sparpläne von Martha Schultz am Mittwoch auf viel Wohlwollen. Matthias Krenn, Chef der Freiheitlichen in der Wirtschaftskammer, sagte im Ö1-„Morgenjournal“, dass der Mitarbeiterabbau auf „jeden Fall angemessen“ sei. „Ohne dem geht es nicht, wenn wir die Mitglieder entlasten und uns in Zukunft auf Kernaufgaben konzentrieren wollen.“

Für die Grüne Vorsitzende, Sabine Jungwirth, ist es damit jedoch noch nicht getan. Sie forderte unter anderen Punkten „eine massive Verschlankung durch das Zusammenführen der zehnfachen Strukturen bei den Fachorganisationen und Branchengremien“. Man habe dabei ein Kostenreduktionspotenzial von 175 Millionen Euro identifiziert.

Die WKÖ habe österreichweit Gesamteinnahmen von über 1,3 Milliarden Euro, mehr als 1.000 Gremien, über 12.000 Funktionärinnen und Funktionäre sowie bisher mehr als 5.500 Mitarbeiter.

„Gesamte Organisation betrachten“

„Wer von einer schlankeren und effizienteren Wirtschaftskammer spricht, muss die gesamte Organisation betrachten“, fordert Unos-Bundessprecher Michael Bernhard. „Gerade in den Landeskammern gibt es ausreichend Doppelstrukturen und Verwaltungsebenen, bei denen ein konsequenter Personalabbau möglich und auch notwendig wäre.“ Also seien nun die Landeskammern gefordert, „ebenfalls jeden vierten Arbeitsplatz sozial verträglich bis Ende 2027 einzusparen“.

Grünen-Sprecherin Jungwirth erinnerte auch, dass die bisher angekündigten Einsparungen von 100 Mio. Euro für die Unternehmen vornehmlich über die Kammerumlage 2 (KU2) geplant sind und damit Einpersonenunternehmen nicht entlastet würden. Die KU2 wird nach Mitarbeitenden verrechnet. Dabei stellten EPU 95 Prozent …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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