
Die Antwort auf „Barbie“ hieß „Masters of the Universe“. Als der Spielzeugkonzern Mattel den Mädchenmarkt mit seiner Modepuppe erobert hatte, sah er sich nach einer Actionfiguren-Reihe für Buben um. Barbies muskelbepackte Brüder wurden geboren: Die „Masters of the Universe“ hießen He-Man, Ram-Man oder Mekaneck und eroberten die Kinderzimmer der 1980er-Jahre. Eine Zeichentrickserie folgte und lieferte die Hintergrundgeschichte: Prinz Adam kämpft auf dem Planeten Eternia gegen den Totenkopf-Bösewicht Skeletor. Wann immer Gefahr droht, reckt er sein Schwert, ruft „Bei der Macht von Grayskull – ich habe die Kraft!“ – und verwandelt sich in He-Man, den stärksten Mann des Universums.
Die große Fan-Hoffnung all jener, die sich in jungen Jahren tief in Mattels Fantasy-Welt versenkten, ruht nun auf den Schultern von „Bumblebee“-Regisseur Travis Knight: Dieser knöpft sich das Franchise auf angestrengt hohem Humorniveau vor und taucht dann kopfüber ins überlange Nostalgiebad ein. Sein chronisch selbstironisches Augenzwinkern wird womöglich bei den Aficionados der Achtzigerjahre auf das angestrebte Gelächter stoßen; für Uneingeweihte aber zieht sich das über zweistündige Fanservice doch in leider nur halblustige Länge.
Wiewohl „Masters of the Universe“ nichts mit Superhelden-Universen zu tun hat, bleibt er doch dicht am Marvel- und DC-Superhelden-Playbook: Besonders sein Meta-Humor erinnert stark an die „Thor“-Blockbuster. Ähnlich wie Clark Kent alias Superman fristet auch Adam, treuherzig gespielt von dem Briten Nicholas Galitzine, ein fades Erdenleben. Als Personalleiter im Großraumbüro trägt er gern Rosa und das blonde Haar kinnlang. Seine Umgebung hält ihn für einen völligen Spinner, weil er andauernd von einem verlorenen Schwert und dem Planeten Eternia faselt („Ich schwöre, ich bin nicht high!“).
Kampftiger Battle Cat
Als er es endlich doch zurück nach Eternia geschafft hat, kapiert Adam nur langsam, was für ein He-Man in ihm steckt. Doch ist einmal der Satz „Ich habe die Kraft!“ ausgesprochen, sprengt Adam das rosa Hemd und lässt im Lendenschurz die Muckis glänzen. Seine Jugendgefährtin Teela hat sich zu einer tapferen Kämpferin entwickelt, während sich ihr Vater, Waffenmeister Duncan, im Dauerrausch befindet. Weiters gesellen sich beliebte Charaktere wie Roboto, Fisto, Ram Man und Mekaneck zur Gruppe, inklusive Adams grüner Kampftiger Battle Cat, der seine Autorität allerdings mit der hohen Stimme einer Miezekatze untergräbt. Ihnen steht Skeletor gegenüber, ein geschwätziger Totenkopf mit Widderstab und Glutaugen. Jared Leto spielt ihn mit unterschwelligem Witz, klapperndem Gebiss und britischem Akzent. An seiner Seite rollt Alison Brie als genervte (und manchmal von Skeletor gewürgte) Hexe Evil-Lyn mit den Augen.
Bewusst cartoon-artig trashige „Uff! Knuff! Zack!“-Kampfszenen in fleischigen Comic-Farben sorgen zu röhrendem Rockoper-Sound für viel Action; Dolph Lundgren – einst He-Man in einem Film von 1987, der grausam floppte – gönnt sich einen Cameo-Auftritt. (Hoffentlich kein böses Omen!) Und wie immer heißt es am Ende: Sitzen bleiben und auf den Abspann warten.
INFO: USA 2026. 140 Min. Von Travis Knight. Mit Nicholas Galitzine, Jared Leto.
Source:: Kurier.at – Kultur



