
Nach der Wahl ist vor der Wahl: Der neu bestellte ORF-Generaldirektor Clemens Pig hat vier Direktorenjobs und neun Landesdirektoren ausgeschrieben. Gekürt werden sie im Paket in jeweils einer Abstimmung am 21. Juli.
In Gesprächen mit ORF-Mitarbeitern klingt nun teils Unsicherheit, teils aber auch Hoffnung durch, weil Strukturen aufgebrochen und neu gedacht werden müssen. Denn Pigs Konzept folgt nicht der traditionellen Aufteilung – und nicht einem kolportierten informellen Sideletter von ÖVP und SPÖ. Am Boulevard wird trotzdem kampagnisiert.
ORF-Quereinsteiger Pig weiß, dass er übers Direktorium hinaus eine Führungsmannschaft braucht, die nach den Aufräumarbeiten des Teams um Ingrid Thurnher dem ORF neuen Geist und Schwung gibt.
Jede Menge Herausforderungen
Die von der Dreierkoalition jüngst kurzfristig gestrichene Budgetzahlung von mehr als 90 Millionen macht den Neustart noch schwerer – man ahnt, was bei einer Budgetfinanzierung der Fall wäre. Der milliardenschwere Abfluss an Werbegeldern zu Plattformen in den USA und China trifft wie alle heimischen Medien auch den ORF. Dazu kommt noch ein „Zukunftskonvent“ von Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) Mitte September mit Fokus auf den ORF und seinen Auftrag – das hat Bedrohungspotenzial.
Immerhin sind die Quoten nicht erst im Top-Sport-Jahr 2026 auf einem guten Niveau.
In dieser Gemengelage ist die Kür des neuen ORF-Führungsteams zu sehen – die Nagelprobe für den neuen Chef am Küniglberg. Denn Pig hat betont, er habe „keine Zusagen“ bekommen und keine gemacht.
Was aber fix ist: Er behält wie seine Vorgänger die Information. Und er will eine strikte Geschlechterparität bei den, wie bisher, vier Haupt-Direktionen. Bei den neun Landesdirektionen soll das auch versucht werden. Bis gibt es drei Frauen an der Spitze der Landesstudios – zwei gehen in Pension.
Offenes Match um vier Direktionen
So ein Ausgangsszenario führt im Umfeld des Stiftungsrats zu teils überraschenden Besetzungsideen. Pig muss wiederum, nach den (medialen) Erfahrungen der letzten Wochen, viel Überzeugungsarbeit leisten, um externe Interessenten für den ORF zu finden. Diese nachfolgenden Personen sind im Gespräch:
Technologie- und Innovationsdirektion
Hier steuerte alles auf eine klare Verlängerung von Technikdirektor Harald Kräuter hin – bis zum Streaming-Debakel bei Österreichs erstem WM-Match. Das bringt Diskussionsbedarf. Allerdings managte er bisher, obwohl ein Bürgerlicher, die ORF-interne SPÖ-Hochburg mit ruhiger Hand. Nun kommen aber finanzielle Einschnitte.
Finanzdirektion
Hier wird Helga Berger oft genannt. Sie war einst im Kabinett von Susanne Riess-Hahn als FPÖ-Vizekanzlerin. Berger ist leitende Mitarbeiterin im Rechnungshof, der den ORF derzeit durchleuchtet. Als gesichert gilt, dass sich die FPÖ-nahe ORFIII-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz bewirbt. „Ihr“ Sender steht vor der Auflösung und Integration in den ORF. Nicht fix scheint die Bewerbung der aktuellen Finanzchefin Eva Schindlauer.
Programm und Brands
Diese neu strukturierte Direktion umfasst u. a. die zentrale Programmplanung sowie die Verantwortung für weite Teile des Programms von Kultur und Bildung bis Film, Serien und Unterhaltung.
Favorisiert wird hier Alexander Hofer. Zuvor ORF2-Channel Manager und Unterhaltungschef managte der Bürgerliche seit 2023 den ORF Niederösterreich aus der Krise.
Auch aufzeigen könnte Unterhaltungschef Martin Gastinger. U. a. bei ATV (das europaweit verkaufte Format „Teenager werden Mütter“) und ServusTV (Vorabend-Quizsendungen) hat er unterschiedlichste Zielgruppen mit teils geringen Mitteln erfolgreich ins Visier genommen.
Der in diesem Zusammenhang schon oft genannte Landesdirektor Werner Herics will in Eisenstadt bleiben – auch …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



