
Pressetermine gab es keine, die Nachricht selbst wurde nur Tage zuvor öffentlich. Dann stand Chinas einflussreicher Außenminister im September plötzlich wieder in Wien, zum ersten Mal seit sieben Jahren. Und Wang Yi hatte eine Einladung mitgebracht. Ab Montag wird sie eingelöst: Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos) ist zu einer viertägigen Reise nach China aufgebrochen.
Offizieller Anlass für den Besuch sind gleich zwei Jubiläen. Beide Länder feiern in diesem Jahr sowohl 55 Jahre diplomatische als auch 60 Jahre wirtschaftliche Beziehungen. China ist nach Deutschland und Italien der drittwichtigste Handelspartner Österreichs sowie die mit Abstand größte Quelle asiatischer Touristen.
Trotzdem sind die Zeiten der unbekümmerten Aufbruchstimmung im Verhältnis zwischen Wien und Peking vorbei. Den letzten China-Besuch auf Außenminister-Ebene gab es 2018 unter Karin Kneissl. Seither kühlte die Beziehung merklich ab, nur zwei Minister reisten in das Land: Martin Kocher und Norbert Totschnig (beide ÖVP), jeweils 2024.
Schwieriger Handel
Meinl-Reisinger kommt nun in Begleitung einer 15-köpfigen Wirtschaftsdelegation, mit dabei sind einige namhafte Manager österreichischer Unternehmen, die in China tätig sind.
Zunächst wird es in der Wirtschaftsmetropole Shanghai um die Mühen des Geschäfts vor Ort gehen. Insgesamt sind in China rund 650 österreichische Firmen tätig und beschäftigen mehr als 24.000 Mitarbeiter. Für ausländische Unternehmen ist das Land aufgrund seiner Größe ein unverzichtbarer, aber auch riskanter Markt. Niederlassungen sind nur in Zusammenarbeit mit chinesischen Firmen möglich, die Gefahr des Diebstahls von geistigem Eigentum ist groß.
Dazu kommt eine zunehmend schiefe Handelsbilanz. 2025 importierte Österreich Waren im Wert von 17 Milliarden Euro aus China, exportierte aber nur fünf Milliarden. Aufgrund der chinesischen Industrie- und Exportstrategie verschärft sich dieses Defizit jährlich. Die Bundesregierung wolle deshalb Abhängigkeiten verringern und „Handelsbeziehungen mit China pflegen, die auf fairen, verlässlichen und regelbasierten Bedingungen basieren“, so die Außenministerin.
Am Dienstag stehen Besuche bei österreichischen Firmen an, die wohl von all diesen Herausforderungen berichten werden. Auch Treffen mit Vertretern chinesischer Tech-Konzerne sowie ein Besuch in einem KI- und Robotik-Forschungszentrum sind geplant.
Ab Mittwoch reist die Delegation weiter nach Peking, wo Meinl-Reisinger erst die „China Supply Chain Expo“ besuchen wird. Die Messe fängt den Geist der Reise auf engstem Raum ein: Dort stellen österreichische Firmen wie der Logistikkonzern Gebrüder Weiss unmittelbar neben jenen chinesischen Riesen aus, die Europas Industrie gerade am stärksten unter Druck setzen, etwa der Batteriehersteller CATL oder der E-Autokonzern Geely.
Am Donnerstag folgt dann das große politische Aufeinandertreffen. Im berühmten Staatsgästehaus Diaoyutai, wo Chinas Parteigrößen seit Jahrzehnten wichtige Gäste empfangen, trifft Meinl-Reisinger auf ihren Amtskollegen Wang Yi.
Eine gute Gesprächsbasis zwischen beiden wird bald umso wichtiger sein: Ab 2027 sitzt Österreich für zwei Jahre als temporäres Mitglied im UNO-Sicherheitsrat, Wang ist der erste Außenminister einer der fünf Veto-Mächte, den Meinl-Reisinger seit der Wahl am 3. Juni zum bilateralen Austausch trifft.
„Natürlich gibt es auch schwierige Themen“, sagt sie. „Gerade dort, wo unterschiedliche Sichtweisen bestehen, sind persönliche Gespräche besonders wichtig.“ So wolle die Außenministerin etwa erneut ansprechen, dass China seinen Einfluss auf Russland geltend machen müsse, um den Nachbarn zu einem Ende des Kriegs in der Ukraine zu bewegen.
Kanzler folgt im Herbst
Wang dürfte ebenfalls um ein gutes Gesprächsklima bemüht sein, denn China betreibt heuer …read more
Source:: Kurier.at – Politik



