Frankreich: Wer einen Ministeriumsjob will, muss zum Drogentest

Politik

Auf den ersten Blick wirkt Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu nicht wie ein Mann, der Drogen konsumiert. Die einzigen Paparazzi-Fotos von ihm zeigen ihn in äußerst bodenständiger Kleidung auf dem Markt in seinem Heimatdorf Vernon in der Normandie mit einer Jutetasche voller Lauchstangen.

Inzwischen hat er per Speicheltest belegt, dass er die Finger von Kokain, Cannabis und Co. lässt. Er hat sich zunächst selbst einer solchen Überprüfung unterzogen, bevor er seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazu verpflichtete – und künftig auch jene in allen anderen Ressorts sowie höhere Ministerialdelegierte, Präfekten und Botschafter.

Unter den Beschäftigen in Pariser Ministerien herrscht laut Medienberichten Unbehagen angesichts dieser Maßnahme. Wer sie verweigert, macht sich verdächtig. Fallen die Ergebnisse positiv aus, drohen Konsequenzen von der Rücknahme einer geplanten Beförderung über die Auflage einer Therapie bis zur Abberufung aus dem Amt, hieß es. Dem Enthüllungsblatt Le Canard enchaîné zufolge musste Ende 2025 ein Berater Lecornus aufgrund von Drogenkonsum gehen. Im Oktober 2024 war ein Abgeordneter der französischen Linkspartei La France Insoumise, Andy Kerbrat, festgenommen worden, während er dabei war, in einer Pariser Metrostation eine synthetische Droge zu kaufen. Er wurde damals vorübergehend von der Nationalversammlung ausgeschlossen.

Den Vorwurf, er greife in die Privatsphäre von Mitarbeitern ein, wies Lecornu zurück. „Für mich ist das eine Frage von beispielhaftem Verhalten, außerdem macht sich eine Person, die Drogen nimmt, verletzlich.“ Gerade Beamte mit Zugang zu geheimdienstlichen Informationen könnten sich das nicht erlauben, auch wenn sie lediglich im privaten Rahmen verbotene Substanzen zu sich nehmen.

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Drogenkonsum nimmt zu

„Drogenkonsum ist ein Delikt in Frankreich“, so der Premierminister. Seit einigen Jahren hat Frankreich dem Drogenhandel und mafiösen Strukturen den Kampf angesagt. Immer wieder kam es zu brutalen Morden und Schießereien mit teils sehr jungen Todesopfern. Vor diesem Hintergrund richtet sich der Blick auch auf die Konsumenten. Im 66-Millionen-Einwohner-Land Frankreich greifen schätzungsweise mindestens sieben Millionen Menschen regelmäßig zu Cannabis, eine Million nimmt Kokain. Der Wert hat sich innerhalb der vergangenen zehn Jahre verdreifacht.

Inzwischen wird auch diskutiert, ob sich die Maßnahme in Zukunft nicht nur auf Staatsbedienstete beziehen, sondern auch auf Privatunternehmen ausgedehnt werden sollte – etwa auf Beschäftigte in besonders sicherheitsrelevanten Berufen wie im Transport- oder Baubereich, schreibt die Tageszeitung Le Parisien.

Vielleicht, so fragt die Zeitung, könnte es künftig Einstellungsgespräche mitsamt Speicheltest geben – und im Lebenslauf der Vermerk „konsumiert keine Drogen“ mit aufgenommen werden.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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