
Wenn Norbert Steger erzählt, wird ein Teil der Republiksgeschichte lebendig.
KURIER: Sie waren bis 2022 ORF-Stiftungsratschef. Ist der ORF noch zu retten?
Norbert Steger: Ja. Wobei ich immer ein Anhänger davon war, etwas von innen heraus zu reformieren. Da war ich übrigens oft auch anderer Meinung als Kollegen, wie etwa Jörg Haider oder mein Vorgänger an der FPÖ-Spitze, Alexander Götz. Von ihm stammt der Satz: „Attackieren, statt arrangieren.“ Ich habe zu ihm gesagt: „Politik heißt immer attackieren und arrangieren.“
Hat es der neugewählte ORF-Chef Clemens Pig schwer?
Ja, weil das Gesetz antiquiert ist. Und er bräuchte dringend einen stimmberechtigten zweiten Geschäftsführer. Nicht für Schwarz-Rot, sondern für ein Vieraugenprinzip in einer Firma mit einer Milliarde Budget. Die Causa Pius Strobl (Sonderpension für den bestbezahlten ORF-Manager, Anm.) wäre so nicht denkbar, hätte es nicht einen Alleingeschäftsführer gegeben.
Hätte da nicht auch der Stiftungsrat als eine Art Aufsichtsrat einschreiten müssen?
Ich habe damals zum Beispiel einen Einnahmen- und Ausgabenbericht von „Licht ins Dunkel“ erbeten, dessen Geschäftsführer Strobl war. Wrabetz meinte, das sei ein selbstständiger Verein, daher könne er es nicht vorlegen – obwohl er in diesem Verein selbst der Chef von Strobl war. Das heißt nicht, dass ich glaube, dass die alle stehlen. Aber Kontrolle ist für die Mächtigen immer gut, um an Blödheiten gehindert zu werden.
Kommen wir zur FPÖ: Wie haben Sie vor 40 Jahren den Umsturz – von Ihnen zu Jörg Haider – erlebt? Ich kam aus einem anderen Biotop als meine Vorgänger in der Partei. Meine Großeltern sind in Theresienstadt umgebracht worden, da denkt man anders über die Vergangenheit, als jene, wo die Eltern vielleicht Obersturmbannführer wie bei Haider waren – obwohl er wirklich kein Nazi war! Er war ein gescheiter Mensch mit einem Drang zur Macht und ist über mich drübergetrampelt. Bei Sitzungen war er ja immer lieb und nett: Die Menschen, die im Raum waren, wollte er gewinnen.
Der damalige Kärntner Landeshauptmann und FP-Landeschef übernahm 1986 beim legendären Innsbrucker Parteitag im Handstreich die FPÖ. Hatten Sie vor, den Parteichefposten zurückzulegen? Sie waren ja immer noch in einer rot-blauen Koalition, aber unter dem neuen Kanzler Vranitzky.
Und Fred Sinowatz war noch SPÖ-Parteichef. Mit beiden hatte ich besprochen, dass mir der damalige Verteidigungsminister Helmut Krünes nachfolgen werde. Durch den Rücktritt von Sinowatz nach dem Waldheim-Wahlgang dachte ich, dass sich auch die freiheitliche Partei erneuern müsse. Das – ohne Krünes zu nennen – habe ich auch mit Haider vorbesprochen. Der hätte mein Ministerium übernehmen sollen. Ich wäre Vizekanzler bis zu den Wahlen geblieben, weil der Bundespräsident keinen neuen ohne Neuwahlen angeloben wollte. Spitzenkandidat wäre ich danach aber nicht mehr gewesen. Ich wollte mein Leben zurück.
Wieder Anwalt werden?
Ich wollte vor allem wieder Zeit für meine Familie und die Musik haben. Ich war in der Jugend Sängerknabe und bin danach als Solosänger bei den Gurker Festspielen und im Theater an der Wien aufgetreten. Es gibt Schallplatten von damals. Vor der Politik hatte ich sogar die Vorstellung, Dirigent zu werden. Sänger eher nicht: Es lachen doch die Leute, wenn man einen Liebhaber spielen soll, aber 1.90 ist und den Spitznamen „Soletti“ trägt.
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Source:: Kurier.at – Politik



