„Madama Butterfly“ in Gars: So funktioniert Oper pur

Kultur

Dass ein Tenor um jeden Preis die Premiere singen will, auch wenn er stark indisponiert ist, kommt in den besten Häusern vor. Bei Sommeropern kann das zum Problem werden. Clemens Unterreiner, Intendant der Oper Burg Gars, selbst Sänger und seit 2005 im Ensemble der Wiener Staatsoper, hat für seine aktuelle Produktion, Puccinis „Madama Butterfly“, bei den zentralen Partien für Ersatz gesorgt. Die Frage ist nur, warum er bei der Premiere das nicht sofort nützt.

Tenor Vitaliy Kovalchuk klang bereits bei seiner ersten Arie „Dovunque al mondo“ sehr angestrengt, im Duett mit Cio-Cio-San war es dann mit der Stimme vorbei. Nach der Pause übernahm dann Gabriel Arce. Sublim intonierte er das „Addio fiorito asil“ mit einem Timbre, das an fließenden Honig denken ließ. Von ihm hätte man gern mehr gehört. Das ist der einzige Einwand, den man erheben kann.

Verstörend intensiv

Denn der Ausfall des Tenors überschattete das Geschehen. Kristiane Kaiser stemmte sich als Cio-Cio-San mit ihrem zunächst fast zu dramatisch klingenden Sopran dem stark entgegen. Das Bild der fünfzehnjährigen Butterfly, die sich zur unterwürfigen Kindsfrau degradieren lässt und einem Amerikaner unterwirft, schien ihr künstlich aufgezwungen. Das „Un bel di, vedremo“ intonierte sie verstörend intensiv und vermittelte authentisch das Leid dieser verlassenen, mittellosen Mutter eines kleinen Sohnes, die sich an die vergebliche Hoffnung klammert, dass der Kindsvater zurückkehrt.

Darum geht es in dieser Oper. Um menschliches Leid, die Degradierung einer Frau aus einer anderen Kultur zum Objekt und um Kolonialismus. Das alles bringt Regisseur Matthias von Stegmann auf die von David Gamel liebevoll japanisch gestaltete Bühne, indem er die Geschichte ohne großes Interpretationstheater ganz klar zeigt. Oper pur ließe sich der Stil von Gars auf einen Nenner bringen. Das gilt auch für das Musikalische.

  Babler: „Diese Medienreform ziehe ich gegen Widerstände durch“

Hier wird unverstärkt gespielt und gesungen. Davon profitiert diese Besetzung: Paolo Rúmetz ist ein souveräner Sharpless, Daria Sushkova eine ausgezeichnete Suzuki, Christian Drescher ein solider Goro, Simion Novac (Yamadori), Evgeny Solodovnikov (Bonzo) und Jihun Kim lassen aufhorchen. Ausgezeichnet intoniert der Chor. Karsten Januschke arbeitet mit dem Festivalorchester das Dramatische heraus. Ovationen vom Premierenpublikum. 2027 wird mit „La Bohème“ fortgesetzt.

…read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.