„Unsere kleine Farm“: So „woke“ ist das Serien-Remake

Kultur

Es ist alles sehr idyllisch: Der Planwagen gleitet durch die satten Wiesen, Mutter Caroline bekommt vom verliebt schauenden Vater Charles eine Blüte ins Haar gesteckt, am Rücken von Tochter Laura baumeln munter zwei Hasenleichen für den Abendsnack. So lässt es sich von der einen Ecke der USA in die andere übersiedeln – im 19. Jahrhundert, wie es Familie Ingalls macht. Zumindest in den ersten Minuten der Neufassung von „Unsere kleine Farm“ auf Netflix.

Denn natürlich bleibt es nicht so beschaulich, spätestens als sich Charles bei der Durchquerung des Flusses verschätzt, der Wagen hängen bleibt, ein Großteil der Ladung und Hund Jack verloren gehen. Es ist zudem das erste Mal, dass sich Caroline verletzt. Aber das wird nicht das einzige Mal sein. Sie ist von der Geschicklichkeit her nicht direkt prädestiniert für das Pionierwesen.

Konservatives Heiligtum

„Unsere kleine Farm“ kennen viele noch in der Version aus den 1970ern, mit Michael Landon, bevor er „Ein Engel auf Erden“ wurde. Die Serie erfuhr während der Pandemie ein ungeahntes Revival. Vielleicht einer der Gründe dafür, dass sich Netflix ausgerechnet diesen Stoff für eine Neuauflage ausgesucht hat. Andererseits passt er auch sehr gut in eine Zeit, in der Influencer eine Art Soft-Landwirtschaft zur Selbstversorgung propagieren und sogenannte Tradwives dem Sauerteig huldigen, während sie – fotogen, weil auf Instagram – mehrere Kinder auf der Hüfte hängen haben.

Die Serie ist vor allem auf konservativer Seite ein Heiligtum, weshalb sich Trump-Unterstützerin und Journalistin Megyn Kelly schon im Vorfeld vor einer „Wokeifizierung“ der beliebten Geschichten fürchtete. Aber bereits die Originalserie hatte sich von der Vorlage emanzipiert. Denn die zugrundeliegenden, 1932 und 1943 erschienen Memoiren von Laura Ingalls waren gemäß dem einstigen Zeitgeist selbst für die 70er zu rassistisch und indigenenfeindlich.

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Kuriose Momente

Es ist aber durchaus spannend zu sehen, wie man diese Geschichten – Charles baut seine Farm wissentlich auf dem Gebiet der Osage, will aber mit ihnen befreundet sein – nun neu erzählt. Auch wenn das kuriose Momente zeitigt, wie wenn die kleine Laura mit unpassend heutigem Wortschatz über eine „indigene Puppe“ spricht. Aber zum 250. Geburtstag der USA kommt die Serie, die auch von der Dynamik in neu zu gründenden Städten und von falschen Versprechen an die Siedler erzählt, gerade recht. Auch wenn die Stadtszenen arg an „Dr. Quinn“ erinnern.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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