
Vater und Tochter in einem Unternehmen – bei Berndorf geht das gut. Sie sagen im KURIER-Gespräch, was sie am Standort Österreich besonders nervt.
KURIER: Herr Zimmermann, Sie haben den Technologiekonzern Berndorf aufgebaut. Sie, Frau Zimmermann, Sie sind Aufsichtsratsvorsitzende der Berndorf Industrieholding. Vater und Tochter in einem Unternehmen, wie funktioniert das?
Sonja Zimmermann: Nach der Uni habe ich einige Jahre in einer Werbeagentur gearbeitet und dann neben der Familiengründung ins Unternehmen hineingeschnuppert. Ich habe beschlossen, zu bleiben. Ich bin seit 2010 im Aufsichtsrat, da war mein Vater noch der Vorsitzende. In dieser Zeit habe ich viel gelernt. 2020 haben wir die Übergabe gemacht. Anfänglich hat es einen intensiven Austausch gegeben, der für mich sehr wichtig war. Jetzt haben wir schon ein paar Wochen gar nicht mehr geredet. Also schon geredet, aber nicht über das Geschäft. Deine Funktion ist die eines Feuerlöschers, oder?
Norbert Zimmermann: Der Feuerlöscher steht in der Ecke und tut nichts. Es sei denn, jemand kommt und holt ihn. Aber das ist nicht notwendig.
Als Alt-Industrieller wirken Sie aber doch sehr dominant.
Sonja Zimmermann: Natürlich ist er ein dominanter Mensch, aber nicht unangenehm dominant, sonst hätte er das alles nicht so geschafft. Also er ist nicht derjenige, der fünfmal die Woche …
Norbert Zimmermann: …im Büro in Berndorf sitzt und sich einmischt. Ich habe dort gar kein Büro mehr, wir sehen uns meistens im Family Office in Wien.
Sie haben großes Glück, dass sich Ihre Tochter so engagiert, sehr oft interessiert sich die nächste Generation gar nicht.
Norbert Zimmermann: Ich bin sehr dankbar dafür. Und das diszipliniert mich auch. Ich habe schon so viel gesehen in meinem Leben, was zwischen Eltern und Kindern in Firmen schiefgegangen ist.
Sie haben also tatsächlich nichts mehr zu reden?
Norbert Zimmermann: Ich bin noch Aktionär.
Die Berndorf-Gruppe ist eines der Vorzeige-Unternehmen. Es war immer sehr ruhig um den Konzern, wie haben Sie das geschafft?
Norbert Zimmermann: Wir führen ein anständiges Unternehmen. In 40 Jahren hatten wir nie eine negative Presse. Dankeschön an die Medien, aber wir gaben auch nie einen Anlass dazu. Bei uns hat noch nie eine Bank etwas ausbuchen müssen und noch nie ein Lieferant etwas verloren. Wir haben Mist gebaut, also Fehlinvestitionen, die man zusperren musste, und den Mist selbst weggeräumt.
Technologie-Konzern
1843 als Berndorfer Metallwerke gegründet, gehörte zur Verstaatlichten Industrie. 1988 Management Buy Out durch Norbert Zimmermann, Aufbau zum High-Tech-Konzern in der Metallbearbeitung. Headquarter Berndorf, Umsatz 2025 541,6 Millionen Euro, Jahresüberschuss 26,4 Millionen, Ebit-Rendite 21,6 Prozent, in 20 Ländern tätig, Eigenkapitalquote 56 Prozent. 2242 Mitarbeiter. CEO ist Ex-Astronaut Franz Viehböck. Drittel-Beteiligung an börsenotierter SBO, Schoeller Bleckmann Oilfield Equipment.
Sie hatten auch nie große Kündigungswellen?
Sonja Zimmermann: Berndorf besteht aus vielen kleinen mittelständischen Unternehmen, die eigenständig agieren und in der Berndorf-Gruppe zusammenlaufen. Bisher waren noch nie alle gleichzeitig in einer Krise – wenn an einer Stelle Mitarbeiter gehen müssen, werden anderswo neue gebraucht.
Was wünschen Sie sich von der Wirtschaftspolitik?
Norbert Zimmermann: Mich nervt als Altunternehmer ungeheuer, dass wir von Bürokratieabbau reden und es kommt immer Neues dazu. Die Industrie hat offenbar in der Gesellschaft keinen Stellenwert mehr.
Sonja Zimmermann: Die Bürokratie ist wirklich, wirklich ein großer …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



