
Der Fußboden knarzt, die alte Blumentapete blättert ab und spätestens, als sich vor den Türen der Villa im 3. Wiener Gemeindebezirk die Wolken entladen, braucht es nicht mehr viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass es hier spuken könnte. Passend also, dass in diesen Räumlichkeiten ein Film gedreht wird, in dem einer der Protagonisten ein Geist ist.
In der Komödie „Halbweg“ (Arbeitstitel) gibt Simon Schwarz den exzentrischen Theo, ehemaliger Besitzer der ansehnlichen Immobilie, der im kurzen orangen Bademantel durch die Gegend spaziert. „Vielleicht gibt es Schauspieler, die würden das wahrscheinlich nackt spielen wollen“, sagt Schwarz schmunzelnd beim Setbesuch des KURIER. „Ich glaube allerdings, dass das für die Zuschauer gar nicht so spannend ist, weil es ablenkt. Egal, ob es besonders schön oder besonders schirch ist.“
Geist Theo ist jedenfalls alles andere als erfreut, als er plötzlich einen Mitbewohner bekommt: den Architekten Stefan (gespielt von Manuel Rubey), der die Villa kauft, um seine Noch-Frau Nathalie (Caroline Frank) zu beeindrucken. Stefan sei „in einer Art Midlife-Crisis“, erklärt Rubey. Da wolle man oft nochmal was beweisen – „und merkt, das geht aber nicht mehr. Dann kompensiert man und trifft schlechte Entscheidungen, für die man nachher eine Infrastruktur von Argumenten konstruiert. Dabei wird es immer schlimmer.“ Für einen Film sei das aber „natürlich eine gute Ausgangslage“. Auch, wenn er Geistergeschichten eigentlich nicht als sein Lieblingsgenre bezeichnen würde. „Ich finde es schön, wenn es wieder was gibt, was kein Krimi ist.“
Für Schwarz und Rubey, seit Jahren miteinander befreundet, ist es der erste Film, in dem sie beide die Hauptrollen spielen. „Wir haben uns beim Drehen von ,Der Aufschneider‘ (2009, Anm.) kennengelernt“, erinnert sich Rubey. „Danach hatten wir, glaube ich, acht oder neun Projekte. Bei ,Altes Geld‘ sind wir uns aber zum Beispiel nur einmal kurz begegnet.“
Gespräch unter Männern
Mittlerweile haben sie einen gemeinsamen Podcast und arbeiten an ihrem zweiten Kabarettprogramm. Nur einmal habe es eine „Krise“ gegeben, „die man in einer Podcast-Folge nachhören kann. Da haben wir ein Beziehungsgespräch gemacht“, so Rubey. Daraufhin hätten sich „relativ viele Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten gemeldet und gelobt, dass das eine Form ist, wie man als Mann gut miteinander reden kann. Das hat uns natürlich wahnsinnig gefreut.“
Auch zwischen Geist Theo und Architekt Stefan glätten sich im Laufe des Films (der kürzlich in Wien abgedreht wurde und 2027 im ORF zu sehen sein soll) die Wogen. Dabei entsteht „so etwas wie eine Männerfreundschaft“, sagt Rubey. Und Schwarz findet: „Am Ende geschieht etwas, das wir als Gesellschaft in Zeiten wie diesen öfter brauchen würden: Sie hören einander zu, gestehen dem Gegenüber die eigenen Probleme zu und helfen sich gegenseitig.“
Zuvor kriegen sich ihre Filmfiguren aber ordentlich in die Haare: Beim Lokalaugenschein des KURIER wird gerade eine Szene geprobt, in der Stefan eine Schreibtischlampe aus einem Umzugskarton fischt und damit auf den unerwünschten WG-Kollegen losgeht. Bei der Flucht kommt Schwarz allerdings die Türe in die Quere. „Ich dachte, ein Geist kann sich nicht verletzen“, witzelt Rubey.
Ein bisschen Märchen
Die Stimmung am Set sei angenehm, „wir probieren viel aus und halten uns dabei nicht immer ganz an den geschriebenen Text“, …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



