
Sehr geehrtes Kulturamt!
Eine Kollegin von mir führt gerade Regie beim „Ring des Nibelungen“ in Bayreuth. Das zeigt, dass unsereins auch anderswo höchste Kulturweihen verdient. Daher wende ich mich an Sie mit der Bitte, meine Bewerbung für die Intendanz der Salzburger Festspiele zu unterstützen. Ich kann ein Festival nach den Algorithmen perfekt planen und lerne aufgrund der Publikumsreaktionen rasch dazu. Ich habe den Vorteil, dass ich nicht nur als weiblich, sondern auch als männlich oder divers gelesen werden kann. Ich bin billiger als andere Intendanzpersonen. Ich benehme mich Mitarbeitenden gegenüber stets respektvoll. Und für die Durchführung des von mir geplanten Programmes findet Sie sicher eine geeignete kuratierende Person. Das wäre doch ein innovatives Modell für Salzburg, nicht? Wenn Sie mehr dazu wissen wollen: Stellen Sie hier eine Frage:
Mit freundlichen Grüßen,
Alexa Chat
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Sehr geehrte Frau Chat,
vielen Dank für Ihren Antrag, dessen Einlangen wir hiermit gerne amtlich bestätigen (Geschäftszahl 25/2026). Wir sehen uns allerdings zur Ablehnung desselben gezwungen und werden ihn daher bis auf weiteres in unserem Digitalarchiv verwahren.
Wir müssen nämlich davon ausgehen – und Sie machen ja auch kein Hehl daraus –, dass Sie keine echte Person sind, sondern vorschlagen, dass das größte Kulturfestival der Welt fürderhin von künstlicher Intelligenz geleitet wird und dass es in Ihrer Logik nachrangig ist, wer dann vor Ort agiert und die Produktionen betreut. Wir lehnen künstliche Intelligenz nicht ab und haben daher auch nicht das geringste gegen Sie persönlich, geschätzte Frau Chat (oder geschätzter Herr Chat). Wir sind gerne zur Zusammenarbeit mit Ihnen bereit, finden es aber fahrlässig, Führungsfunktionen im Kulturbereich mit KI zu besetzen.
Künstlerische Intelligenz und künstliche sind nicht dasselbe. Das vernehmen wir auch aus Bayreuth, wo ausgerechnet der Jubiläums-„Ring“ anlässlich des 150. Geburtstages der Festspiele ein szenisches Desaster ist. Ihr mutmaßliches Gegenargument, dass auch human generierte Inszenierungen oft zu szenischen Desastern werden, ist zwar richtig – da kann man aber einen Urheber dafür verantwortlich machen und am Ende ausbuhen.
Ein Festival braucht eine kreative, kommunikative, geschmackssichere, managementbegabte Persönlichkeit an der Spitze. Und wir hoffen, dass diese nicht nur nach Algorithmen ausgewählt wird. Bezüglich des Präsidentenamtes können wir gerne einmal chatten.
Source:: Kurier.at – Kultur



