Monika Helfer verstorben: Eine Grande Dame mit spätem Ruhm

Kultur

Wenn auf jemanden den Begriff der Grande Dame zutrifft, dann auf sie. Ihre elegante, oft in Schwarz gekleidete Erscheinung war unverwechselbar, ihre sanfte Stimme bezaubernd. Die Schriftstellerin Monika Helfer zählte zu den ganz Großen der österreichischen Gegenwartsliteratur. Nun starb sie überraschend nach einem Sturz im Alter von 78 Jahren.

Ihren großen Erfolg als Autorin feierte Monika Helfer erst relativ spät – im Alter von über siebzig Jahren. In „Die Bagage“ (2020) erzählte sie die dramatische Liebesgeschichte ihrer Großeltern am Rande eines Bergdorfes, wo sie von der Dorfgemeinschaft als Außenseiter verachtet und als „Bagage“ bezeichnet wurden. Der autofiktionale Roman wurde zum Bestseller und katapultierte sie in die erste Reihe der heimischen Gegenwartsliteratur. Der späte Erfolg habe auch etwas Gutes, sagte Monika Helfer, Gattin des österreichischen Schriftstellers Michael Köhlmeier, in einem Interview: „Wenn man jung ist und sehr viel Erfolg hat, wird man übermütig. Aber mit siebzig werde ich nicht mehr übermütig. Das passt gut.“

Kriegsversehrt

Monika Helfer wurde am 18. Oktober 1947 in Au im Bregenzerwald in Vorarlberg geboren. Ihr Vater, dem sie den Roman „Vati“ widmete, war ein kriegsversehrter Verwaltungsbeamter, der ein Bein verloren hatte und später ein Erholungsheim für Kriegsopfer auf der Tschengla – einem Hochplateau in Vorarlberg – leitete. Dort hatten die Kinder – Helfer wuchs mit fünf Geschwistern auf – anfänglich sehr viel Platz und führten ein aufregendes Leben, wie die Autorin erzählte. Doch nach dem frühen Krebstod der Mutter wurde die Familie auseinandergerissen, die Kinder auf die Verwandtschaft aufgeteilt. Bereits im Alter von elf Jahren, nach dem Tod der Mutter, begann sie zu schreiben.

  Die „Ring“-Bilanz: Wagner im Sommerschlussverkauf

Monika Helfer wächst unter harten Bedingungen auf – Erfahrungen, die ihre Literatur nachhaltig beeinflussten. Sie wollte weg aus Vorarlberg und studieren, wollte „die sein, die auf dem Buchrücken steht“. Stattdessen absolvierte sie die Handelsschule, heiratete mit neunzehn Jahren, zog in den Bregenzerwald und bekam zwei Kinder. Sie beschrieb diese Zeit stets als unglücklich, die Trennung folgte.

Ab den späten 1970er-Jahren war sie fest in der Literaturszene verankert. Ihren Erstling „Eigentlich bin ich im Schnee geboren“ veröffentlichte sie 1977, 1981 heiratete sie den Schriftsteller Michal Köhlmeier, mit dem sie zwei Kinder bekam. Tochter Paula verunglückte 2002 bei einer Wanderung tödlich – ein schmerzlicher Verlust, den Helfer in ihrem Roman „Bevor ich schlafen kann“ (2010) bearbeitete.

Die eigene Familiengeschichte wurde schließlich zum literarischen Erfolgsrezept: In klarer und unsentimentaler Sprache setzte sie nach „Die Bagage“ ihrem bücherliebenden Vater mit „Vati“ (2021) ein Denkmal; an ihren sechs Jahre jüngeren Bruder Richard erinnert sie sich in dem Roman „Löwenherz“ von 2022. Empathie, aber auch feine Ironie und leise Distanz waren das Markenzeichen ihrer Werke, in denen Fiktion und Autobiografisches verschwimmen.

Monika Helfer wurde vielfach ausgezeichnet, ihr Roman „Oskar und Lilli“ fand seinen Weg ins Kino unter dem Titel „Ein bisschen bleiben wir noch“. Sie selbst ist nun gegangen.

…read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.