Medaillenhoffnung Espernberger: Warum Schwimmen für ihn Nebensache bleibt

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Gerade hatte er den bis dahin größten Wettkampf seines Lebens beendet, da sprach Martin Espernberger bereits über das Aufhören. Der Linzer war 20 Jahre alt und bei seinem Olympia-Debüt Sechster über 200 Meter Schmetterling geworden. Was wie der Beginn einer langen Karriere aussah, kommentierte er 2024 in Paris mit bemerkenswerter Distanz: „Es ist ja nur Schwimmen.“ Würde es einmal nicht mehr laufen, gehe die Welt schließlich auch nicht unter.

Zwei Jahre später ist Espernberger noch da. Mehr noch: Bei der Europameisterschaft, die ihn nun wieder nach Paris führt, gilt er als eine der größten österreichischen Medaillenhoffnungen. Das Karriereende wurde vertagt.

Nebenfach Weltklasse

Schon vor der WM 2024 in Doha wollte Espernberger lediglich „befreit aufschwimmen“ und Erfahrung für Olympia sammeln. Das Ergebnis war Bronze. Ein halbes Jahr später wäre für ihn in Paris bereits das Semifinale „cool“ gewesen, das Finale nannte er schwierig. Dann wurde Espernberger Sechster und nahm Dinko Jukić den österreichischen Rekord ab.

Espernberger stapelt tief und schwimmt schnell. Das passt auch zu seiner Paradedisziplin. Über 200 Meter hält sich der Linzer auf der ersten Rennhälfte mitunter zurück. Dann wenn andere langsamer werden, beginnt seine stärkste Phase. Und auch seine Ambitionen kommen gerne erst nach dem Anschlag zum Vorschein.

Vor der EM überlässt der 22-Jährige die Prognosen erneut anderen. Dass er als Medaillenhoffnung gilt, empfinde er weder als Last noch als Antrieb. Die Erwartung sei eben da, sagt Espernberger – irgendwo im Hintergrund. Wie es Espernberger gelingt, Erwartungen so geräuschlos beiseitezuschieben? Vielleicht, weil er sich weigert, sein Leben nach ihnen auszurichten. Schwimmen, sagt einer der besten Schwimmer des Landes, solle für ihn „eher eine Nebensache bleiben“.

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Den nötigen Gegenpol dazu findet er an der University of Tennessee. Im Wasser ist Widerstand ein Gegner für ihn, im Hörsaal eine Rechengröße. Espernberger studiert Elektrotechnik. 

„Ich glaube, mir würde das Schwimmen nicht so gefallen, wenn ich nur schwimmen würde“, meint der 22-Jährige. Ohne das Studium drohe der Alltag aus kaum mehr zu bestehen als Training, Essen und Schlafen. Espernberger möchte im Wasser um Hundertstelsekunden kämpfen, ohne die Stunden an Land zu bloßen Zwischenzeiten verkommen zu lassen.

Familiäre Bahnen

Den Weg ins Becken hatten ihm einst die Geschwister gewiesen. Alle drei älteren schwammen bereits, mit fünf Jahren folgte Martin. An die Gründung einer Schwimmdynastie dachte seine Mutter dabei nicht. Ihr gefiel vor allem, dass die Sportart ein überschaubares Verletzungsrisiko versprach. Um sich im Wasser wehzutun, müsse man sich „schon ziemlich blöd anstellen“, sagte Espernberger später einmal.

Nach dem Anschlag

Und der mütterliche Einfluss endete nicht am Beckenrand. 2020 überzeugte sie den damals 16-Jährigen von einem Auslandssemester in Florida. Im Wasser fühlte sich Espernberger damals deutlich wohler als im Englischen, dennoch wurden aus dem einen Semester mehrere Jahre in den USA. 2022 konnte er dann aus Angeboten von rund 30 Universitäten wählen

Im Becken war stets Michael Phelps das große Vorbild. Für das Leben abseits des Wassers taugte der US-Amerikaner dagegen nur bedingt als Blaupause. Espernberger war stets wichtig, dass neben Bestzeiten auch ein Beruf herausschaut. Mit dem Schwimmen allein lasse sich das Leben eben nicht dauerhaft finanzieren. Es sei denn, man heißt Michael …read more

Source:: Kurier.at – Sport

      

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