
Anhaltender Kostendruck und zunehmender globaler Wettbewerb setzen der österreichischen Industrie schwer zu. Laut aktuellem Industrieradar der Wirtschaftskammer (WKÖ) erwägt bereits ein Viertel der Betriebe, Teile ihrer Aktivitäten ins Ausland zu verlagern. Die Unternehmen reagieren vor allem mit Sparprogrammen, während die WKÖ eine rasche Entlastung bei den Arbeits- und Energiekosten fordert.
Österreich verfügt zwar nach Ansicht vieler Unternehmen weiterhin über wesentliche Standortvorteile wie eine hohe Sicherheit bei der Energieversorgung, eine verlässliche Infrastruktur und forschungsfreundliche Rahmenbedingungen. Diese Stärken werden jedoch zunehmend von strukturellen Nachteilen überlagert.
Besonders drastisch fällt das Urteil bei den Lohnstückkosten aus: 94 Prozent der 270 befragten Industrieunternehmen beurteilen Österreich hier schlechter als die Konkurrenz, 76 Prozent sogar deutlich schlechter. Auch bei den Energiepreisen sowie bei der Steuer- und Abgabenbelastung fällt die Bewertung sehr negativ aus.
Druck aus China und den USA
Der internationale Wettbewerb stellt für 80 Prozent der Betriebe eine starke oder sehr starke Herausforderung für die kommenden drei bis fünf Jahre dar. Neben dem protektionistischen Schwenk der US-Handelspolitik seit April 2025 – von dem 52 Prozent der heimischen Firmen nach eigener Einschätzung mindestens mittelstark betroffen sind – wächst der Druck aus China. 54 Prozent der Unternehmen berichten von steigendem chinesischen Wettbewerbsdruck auf ihren Kernmärkten. Zusätzlich klagen 43 Prozent über Handelsumlenkungseffekte auf den EU-Markt durch chinesische Anbieter, die aufgrund von US-Zöllen ausweichen. Als Reaktion darauf senken bereits 26 Prozent der Betriebe ihre Preise oder reduzieren ihre Margen.
Automatisierung kontra Abwanderung
Um dem Druck standzuhalten, passen 97 Prozent der Industriebetriebe ihre Strategien für die nächsten zwei Jahre an. Im Vordergrund stehen dabei Kosten- und Effizienzprogramme (82 Prozent) sowie Automatisierung und Digitalisierung (61 Prozent). Dennoch erwägt ein Viertel der Unternehmen in den kommenden 24 Monaten eine Verlagerung von Beschaffung, Produktion oder Vertrieb.
43 Prozent halten eine Teilverlagerung der besonders beschäftigungsintensiven Produktion in den nächsten drei bis fünf Jahren für wahrscheinlich. Als entscheidenden Grund für diese Abwanderungspläne nennen 96 Prozent der betroffenen Betriebe hohe Lohnkosten.
Forderung nach Lohnnebenkostensenkung
Um den Produktionsstandort abzusichern, drängt die Wirtschaftskammer auf rasche Reformen. „Der Befund ist eindeutig: Österreichs Industrie steht unter Druck und muss dringend entlastet werden“, betont WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger.
Auf nationaler Ebene fordern 86 Prozent der Unternehmen eine Entlastung des Faktors Arbeit, insbesondere durch niedrigere Lohnnebenkosten. 63 Prozent wünschen sich einen Abbau von Berichtspflichten und administrativen Lasten, vor allem bei der Umwelt- und Nachhaltigkeits-Compliance. Claudia Huber, Leiterin der WKÖ-Wirtschaftspolitik, mahnte zudem faire Bedingungen im Außenhandel und wirksamen Handelsschutz auf EU-Ebene ein.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



