Warum Freund und Feind Trump in Nahost auflaufen lassen

Politik

In seiner Umgebung duldet er in der Regel keinerlei Widerspruch. Wer nicht seinem Leitspruch – „Trump ist always right“ –, den er auch auf die bekannten roten Kappen drucken ließ, folgt, der fliegt. Doch auf dem internationalen Parkett, zumal auf dem besonders rutschigen in Nahost, gelten andere Regeln. Dort lässt nicht nur der Iran US-Präsident Donald Trump auflaufen, auch das verbündete Israel zeigt sich widerborstig gegenüber dem Chef im Weißen Haus.

Besonders dreist agiert derzeit das Mullah-Regime in Teheran, das Trump zu Kriegsbeginn (Ende Februar) noch in Grund und Boden bomben wollte. Doch all der militärische wie auch ökonomische Druck (die USA verhängten eine Seeblockade) führte – zu nichts. Im Gegenteil: Für eine Öffnung der für die Weltwirtschaft so wichtigen Straße von Hormus am Persischen Golf stellte Teheran sechs harte Bedingungen, die für Washington de facto inakzeptabel sind.

Konkret: ein Ende der US-Drohungen gegen den Iran; eine dauerhafte Einstellung des Krieges gegen den Iran und dessen Verbündete in der Region, also vorrangig gegen die Hisbollah im Libanon und die Houthi-Rebellen im Jemen; eine Aufhebung der Seeblockade sowie ein Abzug der US-Streitkräfte aus der Region; eine vollständige finanzielle Entschädigung für Kriegsschäden; eine vollständige Aufhebung aller Sanktionen gegen den Iran; eine bedingungslose Freigabe aller eingefrorenen iranischen Vermögenswerte.

Diese Forderungen sind zwar nicht neu, doch bezogen sie sich ursprünglich als maximale Verhandlungsmasse für ein Gesamtabkommen mit den USA bezüglich des Atom- sowie Raketenprogrammes – jetzt lediglich auf die Öffnung der Meerenge, durch die vor dem Waffengang ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports mit Tankern abgewickelt worden war. Und das ohne irgendwelche Restriktionen. Jetzt verhandeln der Iran und der Oman (gleichsam als die Wächter an dem maritimen Nadelöhr) bezüglich sicherer Routen durch die Straße von Hormus und wollen dafür laut Berichten sieben bzw. drei Prozent des Warenwertes als eine Art „Maut“ verlangen.

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„Es ist wie eine Schachpartie“

Für Donald Trump sind das „bad news“, und offenbar hat er keine Idee, wie er mit dem Regime umgehen soll und den Ausweg aus dem Krieg findet. Er oszilliert zwischen maximalem Druck, indem er etwa mit den schwersten Angriffen der US-Army seit dem Zweiten Weltkrieg droht, und Diplomatie. Gegenwärtig sind wieder Verhandlungen angesagt, und der US-Präsident gibt sich überaus gelassen: „Es wird sich regeln. Es regelt sich immer. Es ist wie eine Schachpartie.“

Woher Trumps Optimismus rührt, ist unbekannt, zumal der Iran alle Trümpfe in der Hand und es nicht eilig habe, wie der amerikanische Nahostexperte Aaron David Miller auf X analysiert. Doch ein durchaus banaler Grund für die momentane Abkehr vom bellizistischen Kurs der USA ist folgender: Dem Pentagon gehen die Abwehrraketen aus, die die Golfstaaten vor iranischen Attacken schützen sollen. Laut einer US-Denkfabrik lag die Zahl derartiger Geschoße Ende Juli nur noch bei rund 830, vor dem Iran-Krieg waren es mit 2.300 fast drei Mal so viele.

Der US-Präsident weist solche Berichte zwar ständig zurück, fest steht aber, dass der Stellvertreter von Kriegsminister Pete Hegseth, Steve Feinberg, Vertretern der amerikanischen Rüstungsindustrie in der Vorwoche eine Frist von drei Wochen eingeräumt hat, Pläne für eine gesteigerte Produktion sowie schnellere Liefertermine zu übermitteln, …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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