Exakt 0 Euro Gewinn bei Wienerberger: Wie ist das möglich?

Wirtschaft

Der heimische Baustoffkonzern Wienerberger bekommt die anhaltende Flaute im Wohnungsneubau voll zu spüren. Weniger Aufträge bei zugleich steigenden Kosten setzen dem börsennotierten Unternehmen zu. Zudem legte am Montag Langzeit-Konzernchef Heimo Scheuch aus gesundheitlichen Gründen mit sofortiger Wirkung sein Amt zurück. Vize-CEO Gerhard Hanke sprang interimistisch ein, die Suche nach einem Nachfolger läuft.

Bei der Bilanz sticht eine Kennzahl besonders ins Auge

Am Mittwoch präsentierte Hanke die Halbjahresbilanz. Nach den ersten sechs Monaten stiegen zwar die Verkaufserlöse um 4 Prozent auf 2,4 Mrd. Euro, das operative Ergebnis verschlechterte sich im Vorjahresvergleich jedoch von 383 auf 256 Mio. Euro. Was besonders ins Auge sticht: Unterm Strich, also nach Steuern, schmolz der Gewinn von 106 Mio. Euro auf exakt 0 Euro. Wienerberger schrieb also zum Halbjahr keinen Gewinn, wie die Agenturen zusammenfassten. 

Das stimmt bei näherer Betrachtung der Bilanz so nicht. Tatsächlich beträgt das Nachsteuerergebnis 0,4 Mio. Euro, wie Wienerberger auf KURIER-Nachfrage angibt. In der Bilanz selbst ist als „den Anteilseignern der Wienerberger AG zuzurechnendes Ergebnis nach Ertragssteuern“ exakt 361.517,36 Euro aufgelistet. Das ist eindeutig mehr als 0. „Die Beträge wurden kaufmännisch auf Millionen gerundet“, klärt man bei Wienerberger auf. Im Geschäftsbericht heißt es: „Beträge wurden gemäß gängiger kommerzieller Praxis gerundet. Es kann daher zu Rundungsdifferenzen kommen.“ Das Ergebnis vor Ertragssteuern wird mit 1 Mio. Euro angegeben, auf Nachfrage sind es 0,5 Millionen, also wurde aufgerundet.

„Komisch, aber legal“

Dass ein Konzern wichtige Kennzahlen auf Millionenbeträge rundet und dadurch Ziffern wie 1 und 0 ausweist, sorgt auch bei Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern für Stirnrunzeln. Tatsächlich sind so großzügige Rundungen auf Millionenbeträge in der Bilanz die große Ausnahme, zumal sie sehr intransparent sind. „Null Euro schauen wirklich komisch aus, sind aber erlaubt“, sagt Katharina Meier, Bilanzierungsexpertin bei der Steuerberatungskanzlei BDO.

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Laut internationalen Rechnungslegungsvorschriften (IFRS) müssen alle Bilanzkennzahlen gleich gerundet werden. Wird also der Gewinn auf volle Millionenbeträge gerundet, dann auch der Umsatz. Im Sinne der Transparenz runden die meisten Konzerne genauer mit einer oder zwei Kommastellen. Auch Wienerberger verfolgte diesen Rundungsansatz bis zum Geschäftsbericht 2025.

„Das erste Halbjahr war herausfordernder als wir erwartet hatten“, kommentierte der interimistische Konzernchef Hanke die Zahlen. Lediglich die Bereiche Infrastruktur und Sanierung hätten sich resilient gezeigt. Die Nettoverschuldung legte um 47 Prozent auf 2,4 Mrd. Euro zu.

US-Kartellstreit belastet

Mit 47 Mio. Euro negativ zu Buche schlug sich ein gerichtlicher Vergleich der Wienerberger-Tochter Pipelife Jet Stream zur Beilegung von drei kartellrechtlichen Sammelklagen in den USA. „Wir haben uns nichts zu Schulden kommen lassen“, betonte Finanzvorständin Dagmar Steinert in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Aus Sorge, in der Causa noch mehr Geld zu verlieren, hätte man sich wie die anderen beschuldigten Firmen ebenfalls zu Settlementzahlungen entschlossen. 

Für das Gesamtjahr rechnet das Management mit einem operativen Ergebnis (EBITDA) von 700 Mio. Euro. Der Gewinnausblick wurde schon im Juli um 100 Mio. Euro gesenkt.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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