„Vasarely & Adrian“: Ein ungleiches Paar zwischen Lavalampe und Rasterglas

Kultur

Op-Art: Der Begriff steht für „Optical Art“, und diese war in den 1960er und -70er-Jahren ein ziemlich heißes Ding. Zuletzt war die Kunst der spektakulären Augentäuschungen, in denen aus Würfeln Kugeln werden und Gittermuster ein flirrendes Eigenleben entwickeln, ein wenig vom Retro-Flair umwölkt, abgestellt zwischen Flokatiteppich und Lavalampe in der Rumpelkammer des Kollektivgedächtnisses.

Das könnte sich gerade ändern: Denn neue Überwältigungskunst setzt massiv auf die Kraft der Sinnestäuschung, wie etwa das vom Starkünstler Refik Anadol jüngst eröffnete „Dataland“ in Los Angeles – laut Eigendefinition das „weltweit erste KI-Museum“ – vorführt. Somit schadet es nicht, wenn die Albertina modern dazu eine kleine Geschichtsstunde abhält (bis 8. 11.).

Der im ungarischen Pécs geborene Victor Vasarely (1906–1997) wird dabei Marc Adrian (1930–2008) gegenübergestellt – dem einzigen Österreicher, der 1965 bei der Ausstellung „The Responsive Eye“ im New Yorker MoMA vertreten war, die als offizieller Startschuss des Op-Art-Trends gilt.

Psychedelisch, Baby!

Vasarely ist – dank zahlloser Poster-Reproduktionen und des von ihm entworfenen Logos, das die Automarke Renault von 1972 bis 1992 verwendete – viel bekannter als der um 24 Jahre jüngere Österreicher. Dennoch ist Adrian der Hauptprotagonist der Wiener Schau: Die Zahl seiner Werke überragt jene Vasarelys, und seine stilistische Entwicklung wird deutlicher nachvollziehbar als bei dem Op-Art-Star, der ab 1930 in Paris reüssierte.

Waren Adrians gemalte „Sprungperspektiven“ – geometrische Formen, die wie Vexierbilder den Sinn für vorne/hinten/oben/unten verwirren – noch vergleichbar mit Vasarelys Experimenten, so brachte er mit „Hinterglasmontagen“ eine originäre Erfindung ein: Mit bunten Lamellen gebaut und mit Edelitglas bedeckt, schuf Adrian Bildobjekte, die sich Zerreffekte des industriellen Raster-Materials zunutze machten.

  Weißmann-Prozess: Erstes Verfahren des Ex-ORF-General gestartet

Schräglagen der Sammlung

Allerdings offenbart sich schnell, dass die Albertina fast alle dieser Objekte aus dem Kunsthandel oder privaten Museen (wie dem Museum Liaunig in Kärnten) leihen musste: Laut Onlinekatalog besitzt das Museum nur acht Adrian-Werke (allesamt Fotos oder Drucke), während Vasarely mit 34 Arbeiten vertreten ist – darunter kapitalen Bildern aus den Sammlungen Batliner und Essl. 

Hätte man Adrian-Bestände aus dem Belvedere und mumok hinzugezogen, wäre mehr zusammengekommen – allerdings steht dort die Frühzeit im Fokus, in der Adrian noch als Schüler des Ober-Bildhauers Fritz Wotruba erkennbar ist.

Anders als die verwandte, aber weiter ausholende Schau zu Helga Philipp im Albertina-Haupthaus (bis 20. 9.) ist „Vasarely-Adrian“ somit nur Appetithappen für eine Ausstellung, die den „Vater der österreichischen Medienkunst“ umfassend vorstellen könnte. Verdient hätte er eine solche gewiss.

…read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.