
Wieder einmal überraschte US-Präsident Donald Trump Freund und Feind. Just zum Beginn des alljährlichen amerikanisch-südkoreanischen Militärmanövers am Montag kritisierte er ebendieses und ging dann gleich noch einen Schritt weiter, der wohl bei allen Verbündeten in der Region die Alarmglocken läuten lässt.
Die gemeinsame Übung der Streitkräfte, an der an elf Tagen etwa 18.000 südkoreanische Soldaten teilnahmen, sei ein „völlig unangemessenes und feindliches Signal“ an ein Land, nämlich Nordkorea, das – solange er Präsident gewesen sei – keine Bedrohung dargestellt und sich respektvoll verhalten habe, schrieb Trump auf seiner Plattform „Truth Social“. Und weiter: „Deshalb, und weil es zu spät für eine Absage ist, habe ich Kriegsminister Pete Hegseth angewiesen, die gemeinsamen Militärübungen deutlich zu reduzieren.“ Zudem ließ der Oberbefehlshaber der US–Streitkräfte durchklingen, dass solche Manöver künftig ganz entfallen könnten.
US-Militärs warnen vor Nordkorea
Was Trumps Einschätzung der Bedrohungslage durch Nordkorea anbelangt, kommen hochrangige US-Militärs zu einer völlig anderen Einschätzung. So meinte US-General Joseph Jarrard erst in der Vorwoche, dass das Regime in Pjöngjang jüngst erfolgreich Interkontinentalraketen getestet habe, deren Schubkraft so stark sei, dass sie nukleare Sprengköpfe an jeden Ort Nordamerikas tragen könne.
Was die Redimensionierung der Übungen betrifft, soll diese laut Berichten (auch) auf den südkoreanischen Staatschef Lee Jae Myung zurückzuführen sein, der auf Entspannung mit Nordkorea setzt und den dortigen Machthaber Kim Jong-un erst am Wochenende zu Friedensverhandlungen aufgerufen hat. Zudem könnte eine Verkleinerung der Manöver Vorbereitung für eine sowohl von Washington als auch von Seoul angestrebte stärkere Rolle Südkoreas bei der Landesverteidigung sein, meinen Beobachter.
In diesem Zusammenhang warnt Leif-Eric Easley, Professor für Internationale Studien an der Ewha-Universität in Seoul, gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg aber eindringlich: „Eine Reduzierung kann die Koordination innerhalb des Bündnisses beeinträchtigen und den Prozess der Übernahme größerer Verantwortung für die eigene Verteidigung durch Südkorea verlangsamen … während der diplomatische Nutzen für die Beziehungen zu Nordkorea fraglich ist.“
Tatsächlich zeigt der Diktator in Pjöngjang aus einer Position der Stärke allen Friedensavancen aus dem Süden bisher die kalte Schulter. Im Gegenteil: Massive Drohungen gegenüber dem Süden, wo die USA 28.500 Soldaten stationiert haben, gehören zum Alltag. Auch gegenüber Japan lässt Kim Jong-un regelmäßig die Muskeln spielen. In der Vorwoche wurde etwa eine ballistische Rakete abgefeuert, die dann im Japanischen Meer landete.
Obwohl bereits die US-Präsidenten Barack Obama (2009-2017) sowie Joe Biden (2021-2025) und auch Donald Trump (2017-2021 bzw. seit 2025) in China den Hauptkonkurrenten sahen und den geostrategischen Schwerpunkt in die Region verlegten, verblüfft nun der aktuelle Herr im Weißen Haus mit seiner graduellen Neupositionierung. Ähnlich wie in den europäischen NATO-Ländern könnten nun Südkorea, Japan, aber auch Australien und andere Staaten in dieser Weltgegend an der Pakttreue Washingtons zweifeln – und in Peking darf man sich die Hände reiben.
Während sich die Regierung in Seoul betont gelassen gibt (man werde Trumps Posting prüfen, hieß es), könnte hinter der jüngsten Volte des amerikanischen Präsidenten auch ein anderes Motiv stecken, wie so oft – ein ökonomisches. Dem Vernehmen nach ist der Multimilliardär im Weißen Haus darüber erbost, dass südkoreanische Investitionen in den USA zu langsam voranschreiten. Diese, in der Höhe von 350 Milliarden US–Dollar, waren …read more
Source:: Kurier.at – Politik



