Ein Baritenor erobert Wien: So klingt „Wundersänger“ Michael Spyres

Kultur

Von Susanne Zobl

Im März triumphierte der Amerikaner Michael Spyres mit seinem Debüt als Wagners Tristan an der New Yorker Met. Mit einem dramaturgisch stimmig programmierten Liederabend, einfühlsam begleitet von Mathieu Pordoy, leitete er nun seine Präsenz an der Wiener Staatsoper ein, wo er als Nemorino in Donizettis „Liebestrank“, als Siegmund in Wagners „Walküre“ und als Sänger in Strauss’ „Rosenkavalier“ zu erleben sein wird.

Reichweite

Der 1979 in Missouri geborene Sohn einer Musikerfamilie hat in Wien studiert. Das erklärt seine absolut akzentfreie, wortdeutliche Aussprache. Dieser Sänger ist ein Phänomen. Die Reichweite seiner Stimme umfasst mindestens drei Oktaven. Er selbst nennt sich „BariTenor“. Mit Beethovens Liederzyklus „An die ferne Geliebte“ hebt er feinsinnig an. Seinen Vortrag zeichnet eine unvergleichliche Eleganz aus. Er braucht keine großen Gesten, singt total fokussiert und intoniert präzise mit absolutem Tiefsinn.

Wagners „Wesendonck-Lieder“ werden zum Ereignis. Das wirkt so, als würde er zwischen Tristan und Lohengrin wandeln, wenn er die Facetten seiner Stimme auskostet, die von dunklen Schattierungen bis zu hellsilbernem heldischem Klang reichen, der an den Schwanenritter denken lässt. Zur atemberaubenden Klimax gerät „Das Treibhaus“. Da ist das Verstörende, das Aufwühlende in jeder Phrase zu spüren. Jeder Superlativ greift zu kurz, um diese Intensität zu beschreiben. Bei Gustav Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“ zieht er die Register seiner Opernstimme. Mit wohldosiertem Vibrato wandelt er sich zum Erzähler. Bei den vier Liedern von Richard Strauss lässt er seine Stimme strömen. Mit Erich Wolfgang Korngolds Zyklus „Unvergänglichkeit“ schließt er den Abend denkwürdig. Die Ovationen wollten nach zwei Zugaben nicht enden.

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KURIER-Wertung: ***** von ***** 

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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