Künftig nur mehr mit Überweisung zum Facharzt?

Politik

Noch gibt es keine Konzepte, die auch nur annähernd spruchreif wären. Das hindert die Wiener Ärztekammer nicht, vorsorglich ein Veto einzulegen. Prävention ist schließlich wichtig.

Worum geht es? Im Zuge der aktuell verhandelten Gesundheitsreform wird unter anderem darüber nachgedacht, wie künftig die Patientenströme besser gelenkt werden können. Sprich: Die Patienten dort versorgt werden, wo sie hingehören. Denn allzu oft werden Kranke mit leichteren Beschwerden im Spital (bzw. in der Spitalsambulanz) aufgenommen, obwohl sie (kostengünstiger) auch beim niedergelassenen Arzt behandelt werden könnten. Und viele Patienten suchen eigenmächtig einen Facharzt auf, obwohl ihnen genauso gut ein Hausarzt helfen könnte.

Bevor vor zwei Jahrzehnten die eCard eingeführt wurde, war das nicht ohne Weiteres möglich. Im Rahmen des alten Krankenschein-Systems konnte man als Patient nur sehr eingeschränkt ohne Überweisung durch den Hausarzt einen Facharzt-Termin in Anspruch nehmen.

Tatsächlich wird nun die Wiedereinführung einer Überweisungspflicht diskutiert, bestätigt man im Gesundheitsministerium. Ob und wann sie kommt: ungewiss.

Kammer dagegen

Die Wiener Ärztekammer ist alarmiert: „Eine Überweisungspflicht würde in Wien zusätzliche Patienten in die allgemeinmedizinischen Ordinationen spülen und somit zu längeren Wartezeiten in allen Bereichen führen“, sagt Präsident Johannes Steinhart. „Dieser Vorstoß ist undurchdacht und würde die Situation weiter verschärfen.“

Zur besseren Patientenlenkung schlägt seine Stellvertreterin Naghme Kamaleyan-Schmied vor, die Gesundheitsbildung an den Schulen zu etablieren.

Doch sind die Bedenken der Standesvertreter berechtigt? Nein, ist der Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer überzeugt. Er verweist gegenüber dem KURIER darauf, dass das alte System im Sinne der Patientenlenkung gut funktioniert habe, allerdings sei es sehr bürokratisch gewesen. „Dennoch war die Abschaffung damals ein Fehler“, ist der Experte überzeugt.

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Dass nach einer Wiedereinführung die Hausarzt-Ordinationen überschwemmt würden, wie die Kammer befürchtet, ließe sich seriöserweise nicht beantworten. Dafür würden schlichtweg die statistischen Daten über die bestehenden Patientenströme fehlen. „Es ist denkbar, dass sich das Patientenaufkommen bei den Allgemeinmedizinern bald wieder einpendelt, aber auch, dass viele Patienten auf die Spitalsambulanzen ausweichen“, sagt Pichlbauer.

Behutsame Umstellung

Zu bedenken sei auch, dass der freie Zugang zum Facharzt tief in den Köpfen der Patienten verankert sei. Eine Umstellung müsse daher sehr durchdacht und behutsam erfolgen. Ansonsten würden sich hundertfach alltägliche Dramen abspielen, wenn Patienten ohne Überweisung in den Facharzt-Ordinationen auftauchen, die dann abgewiesen werden müssen.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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