
Die Bundesregierung hat sich auf ein Medienpaket verständigt, das zwei neue Förderungen und die Fortführung einer bestehenden vorsieht, bis ab 2028 das Medienfördersystem in größerem Stil umgebaut werden soll. 22,5 Mio. Euro an Vertriebsförderung sollen an Medienhäuser fließen, die Abo-Zeitungen zustellen. 7 Mio. Euro stehen künftig zur Förderung innovativer journalistischer Jugendformate zur Verfügung. Zudem werden mehr Mittel für Medienkompetenzprogramme ausgeschüttet.
Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler (SPÖ) sprach am Montag bei einer Pressekonferenz von einem „umfassenden Medienpaket“ und nicht wenig frischem Geld, das in Zeiten der Budgetkonsolidierung in die Hand genommen werde. Man habe „sehr ambitioniert“ verhandelt, um in qualitätsvolle und kritische Medien zu investieren und die Medienlandschaft für die Zukunft und die veränderten Nutzungsverhalten zu wappnen. Er verstehe Medienpolitik als „Demokratiepolitik“, nicht Machtpolitik, betonte Babler.
Ringen um Gratismedien
Die neuen Förderungen werden schon lange von der Branche herbeigesehnt und lautstark gefordert. Gespießt hat es sich zuletzt daran, inwieweit Gratismedien miteinbezogen werden sollen.
Die ÖVP war der Auffassung, dass die Vertriebsförderung auch an diese gehen sollte – was nun nicht der Fall sein soll. Sehr wohl stehe ihnen aber der Fonds zur digitalen Transformation offen, der nun für die Jahre 2027 und 2028 fortgeführt wird und die Mittel von 20 Mio. Euro auf 22,5 Mio. Euro aufgestockt werden, betonte ÖVP-Klubobmann Ernst Gödl.
Zudem sollen neue Rahmenbedingungen geschaffen werden, um Effizienz und Nutzen der eingereichten Projekte besser einschätzen zu können. Gödl sprach von einer klaren Verantwortung des Staates, Journalismus langfristig abzusichern, um nicht zuletzt der zunehmenden Desinformation und Polarisierung entgegen zu treten.
Schlechte Information, schlechte Entscheidungen
„Wer unsere Demokratie schwächen will, greift zuerst die Wahrheit an“, sagte NEOS-Mediensprecherin Henrike Brandstötter. Schlechte Informationen würden zu schlechten Entscheidungen führen. Folglich stärke man Medien- und Informationsfreiheit und setze dafür auch bei jungen Menschen an, die von traditionellen Medienhäusern immer schwerer erreicht werden. 7 Mio. Euro werden daher zur Verfügung gestellt, die für Medienhäuser einen Anreiz liefern sollen, sich verstärkt damit zu beschäftigen, wie man junge Zielgruppen besser mit für sie attraktiven Inhalten erreicht.
Diese Förderung solle allen offen stehen – „vom Start-up bis zum etablierten Medienhaus“ – und die geförderten Formate kostenlos zugänglich sein, erklärte Gödl. Der Fördercall „Young Media“ befinde sich aber noch in Ausarbeitung. Spruchreif ist er wohl nicht vor 2. Quartal 2027. Klar sei aber, dass eine unabhängige Fachjury die Entscheidung treffen soll, welche Projekte gefördert werden.
Bereits in Begutachtung kann dagegen die Vertriebsförderung gehen. Sie war ursprünglich mit 25 Mio. Euro angekündigt worden, 2,5 Mio. Euro davon wanderten aber offenbar zum Fonds für digitale Transformation. „Print muss gesichert werden, der Wohnort darf keine Rolle spielen“, erklärte Babler. Mit der Zustellförderung garantiere man, dass Nachrichten zu jeder Adresse finden. „Die letzte Meile ist die teuerste“, stellte Gödl klar und sprach von einer „Förderung des ländlichen Raums“.
Brandstötter betonte, dass es sich um eine „Übergangsförderung“ handle, mit der man Medien fördere, die Abos verkaufen. „Lifestyle-Zeitungen“ sollen jedenfalls nicht davon profitieren, so die NEOS-Politikerin.
Mehr Mittel für Medienkompetenz
Die Mittel für Medienkompetenz werden von 700.000 Euro auf 3 Mio. Euro aufgestockt. Dabei sind auch Medienunternehmen aufgerufen, selbst Maßnahmen zur Medienkompetenzförderung zu entwickeln und so Gelder aus …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



