
Die österreichische Bauwirtschaft steckt in einer hartnäckigen Krise. Das Bauvolumen ist seit 2021 um knapp zwölf Prozent eingebrochen – von 58,7 Milliarden auf (voraussichtlich) 51,7 Milliarden Euro im Jahr 2026. Eine Erholung ist nicht in Sicht, wie die neue Bauprognose des Beratungsunternehmens EY-Parthenon zeigt. Bis 2028 wird nur ein minimaler Anstieg auf 52,0 Milliarden Euro erwartet – also ein durchschnittliches Wachstum von 0,1 Prozent pro Jahr.
Elisabeth Sardy-Rauter von EY rechnet mit einer jahrelangen Stagnation. „Aus meiner Perspektive gibt es eine Seitwärtsbewegung, die drei bis fünf Jahre anhalten wird“, sagt sie im Gespräch mit dem KURIER.
Besonders dramatisch ist die Lage im Hochbau. Von 2021 bis 2025 ist das Volumen von 35,4 auf 27,9 Milliarden Euro gesunken – ein Rückgang von 5,8 Prozent pro Jahr. „Der Wohnungsneubau ist in den vergangenen Jahren ganz stark eingebrochen, deshalb sehen wir diese großen Rückgänge“, erklärt Sardy-Rauter.
Dabei räumt sie mit einem verbreiteten Missverständnis auf: Nicht Infrastrukturprojekte sind der Motor der Bauwirtschaft, sondern der Wohnbau. „Die Infrastruktur ist dreimal kleiner als der Wohnbau. Der Wohnungsneubau schlägt deutlich am intensivsten durch“, sagt die Expertin.
Hohe Baukosten
Viele Projekte, die vor einigen Jahren noch kalkulierbar waren, rechnen sich heute nicht mehr. Die Gründe für die Krise sind vielfältig: hohe Baukosten unter anderem durch die Inflation, herausfordernde Finanzierungsbedingungen, teure Grundstücke und unsichere Verkaufserlöse. „Das alles führt dazu, dass in Summe das Ganze sehr teuer ist, und um das Geld kann ich die Wohnung eigentlich nicht verkaufen“, sagt die EY-Expertin.
Oder anders gesagt: Die Verwertung ist schwierig, weil sich immer weniger Menschen die teuren Wohnungen leisten können oder wegen den strengen Kreditbedingungen keine Finanzierungen bekommen.
„Aus den Händen gerissen“
Anders sieht es bei geförderten Wohnungen aus: „Da wird noch mehr gebaut. Und ich glaube, alles, was gebaut wird, wird denen auch im wahrsten Sinne des Wortes aus den Händen gerissen. Da gibt es keine Verwertungsprobleme“, sagt Sardy-Rauter.
Hingegen kommt die Wohnhaus-Sanierung nicht in Schwung, obwohl viel zu tun wäre. „Im Moment wirkt es sogar rückläufig, was ich persönlich sehr schade und bedenklich finde“, sagt Sardy-Rauter. Für 2026 wird bei Renovierungen ein Rückgang von 1,9 Prozent erwartet. Grund sei die unsichere Situation bei Förderungen und die noch nicht umgesetzte europäische Gebäuderichtlinie. Die EU-Richtlinie gibt vor, welche Gebäude bis wann saniert werden müssen. Österreich hätte sie bereits in nationales Recht umsetzen sollen, hinkt aber hinterher.
„Was noch unklar ist, ist, welche Förderungen es geben wird und was die Sanktionen sein werden“, erklärt die Expertin.
Notverkäufe
Fakt ist: Die Krise führt zu einer „sehr umfangreichen Marktbereinigung“, bestätigt die EY-Expertin. Die Pleitewelle bei Immobilienentwicklern, die seit zwei Jahren läuft, werde weiter anhalten. Für Gebäudeeigentümer, die hohe Betriebskosten haben und gleichzeitig sanieren müssen, werde es „durchaus sehr schwierig werden. Und da wird es dann den einen oder anderen Notverkauf geben.“ Damit die Baukonjunktur wieder anspringt, müssten die Kosten sinken: bei Grundstücken, bei den Finanzierung und den Baukosten. Doch davon ist die Branche weit entfernt. „Tendenziell steigen die Zinsen eher, was sich wiederum auf die Inflation nicht positiv auswirkt“, sagt Sardy-Rauter.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



