
Sehr geehrtes Kulturamt!
Sie haben zuletzt einen Aushang bezüglich der Jury für die Bestellung der Opernintendanz in Graz veröffentlicht. Ich möchte zum Start der Salzburger Festspiele erinnern, dass dort dieselbe Jury für die Besetzung des Intendanten- und des Präsidenten-Amtes eingesetzt ist. Ich halte das für die Königsidee. Mein Antrag: Man engagiert immer dieselben Leute und lässt sie über alle Bestellungen entscheiden. Nicht nur im Kulturbereich, sondern überall, wo die Politik mitmischt, bei allen Ämtern und Ausschreibungen. Wenn das in Salzburg möglich ist, sollte es anderswo auch klappen.
Mit freundlichen Grüßen, F. H.
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Sehr geehrter F. H.,
vielen Dank für Ihren Antrag, dessen Einlangen in unserem (politisch übrigens völlig unabhängigen) Kulturamt wir hiermit bestätigen (Geschäftszahl 24/2026). Wir finden Ihren Antrag durchaus innovativ und sogar kühn, müssen ihn allerdings ablehnen, weil wir nicht überzeugt davon sind, dass bei Bestellungen im Markt-, im Gartenbauamt oder bei der MA 48 ähnlich großer Kenntnisreichtum innerhalb eines Gremiums vorhanden sein kann.
Was die von Ihnen erwähnten Salzburger Festspiele betrifft, sind wir ebenso der Ansicht, dass es äußerst bemerkenswert ist, ein- und dieselbe Kommission sowohl mit den Bewerbungen für die Intendanz, als auch mit jenen für die Präsidentschaft zu befassen. Diese Jobs verlangen unserem Verständnis nach nämlich völlig andere Profile und Lebensläufe. Die Intendantin/der Intendant ist idealiter eine künstlerische Managerin (oder ein Management-mäßig äußerst begabter Künstler), die (oder der) das Musik- und Theatergeschehen in aller Welt kennt und aus der Geschichte der Salzburger Festspiele heraus die adäquaten Zukunftsvisionen für Österreichs größtes und wichtigstes Festival entwickelt. Die Präsidentin/der Präsident ist ein(e) Übersetzer(in), ein(e) Vermittler(in), ein(e) Geldbeschaffer(in) und ein(e) die Politik der Kunst vom Leib Haltende(r). Die beiden Jobs schließen also einander aus – und so sollte es eigentlich auch bei der Kommission sein.
Wenn nun dieselben Personen da wie dort involviert sind, kann das bedeuten, dass das Vertrauen der Politik in eben jene besonders groß ist. Oder auch, dass die zeitlich nach dem Intendanten zu bestellende Präsidentin eine Art Antwort auf diesen sein sollte. Dass also quasi im Paket abgestimmt wird, was in Hinblick auf die Suche nach dem/der Besten durchaus Gefahren birgt. Was es hoffentlich nicht heißt: Dass die amtierende Präsidentin ohnehin gesetzt und jedes Hearing somit überflüssig ist.
Source:: Kurier.at – Kultur



