
„Das goldene Cabrio ist noch nicht ganz abgefahren“, sagte Keynote-Speaker Michael Paul, der die im „Jedermann“ daneben liegende Titelfigur mit der heimischen Filmbranche verglich. Man müsse aufpassen, dass man aufgrund des hohen Kostendrucks nicht „fast nackert“ zurückbleibe. Hochmair hatte auf dem gezeigten Foto aus dem Vorjahr noch eine Unterhose an. Rückschlüsse auf die diesjährige Salzburger Inszenierung, die in dieser Szene auf Bekleidung gänzlich verzichtet, wurden nicht gemacht. In puncto Filmförderung würden verschiedene Länder entweder auf einzelne Fördermaßnahmen setzen oder auf eine koordinierte Industriepolitik, sagte der Experte. Hier sieht Paul, der mit der Agentur Paul & Collegen Fördersysteme evaluiert, die heimische Politik noch in der Bringschuld.
Die Sparzwänge der Bundesregierung sind bekannt. Beim Salzburg Media Summit wurden die aktuellen Herausforderungen diskutiert. Produzent Heinrich Ambrosch von Satel Film meinte, es gelte sicherzustellen, dass große Filmproduktionen in Europa bleiben, damit verbindet der Produzent von „Die Toten von Salzburg“ die Hoffnung, „dass uns Öffentlich-Rechtliche und Private nicht wegbrechen“. Die Förderschiene FISAplus habe zwar mittlerweile einen Deckel, sei aber vorläufig abgesichert. Um die Finanzierungsbasis zu stärken, brauche es „eine Investitionsverpflichtung, die die Richtigen trifft.“
Hier sieht Marlene Beran von Servus TV/Red Bull Media House, Schwächen in den bisher bekannten Gesetzesplänen des Kulturministeriums. Wie der KURIER berichtete, sind die Koalitionspartner uneins über die vorgeschlagene Kombination aus fixer Streamingabgabe und der Möglichkeit, Direktinvestitionen teilweise gegenzurechnen. Internationale Streamer in die Pflicht zu nehmen, halte sie für „nachvollziehbar“, sagte Beran, „Es werden aber alle österreichischen Privatmedienhäuser zur Kasse gebeten. Wir investieren aber bereits in Arbeitsplätze.“ Zu fördern und gleichzeitig zu schwächen, sei widersinnig.
Die Berliner Rechtsanwältin Laura Zentner bezweifelte, „wie viel wirklich in deutsche oder österreichische Produktionen fließt.“ Verankert ist in den Plänen bisher nur eine Verpflichtung zu Investitionen in europäische Produktionen.
Star-Glanz brachte Veronica Ferres nach Schloss Leopoldskron. Die frühere „Buhlschaft“ gründete die Produktionsfirma Construction Film. Sie sagte: „Warum sollten große Streamer in Deutschland produzieren, wenn diese Produktionen nicht weltweiten Erfolg haben?“ Daher brauche es eine Investitionsverpflichtung.
Vertrauen in journalistische Inhalte
Im zweiten zentralen Panel wurde auch das Generalthema KI gestreift. Zur Frage einer Kennzeichnung von KI-Inhalten sagte KURIER-Geschäftsführer Richard Grasl: „Wenn man schreibt, dass Inhalte KI-generiert sind, bricht die Hälfte der Leser weg. Vertrauen ist die wichtigste Währung von Qualitätsmedien.“ Daher brauche es originäre Inhalte.
Grasl wies auf den dramatischen Abfluss an Wertschöpfung zu großen US-Digitalkonzernen hin. „Wir streiten uns noch um den Kuchen, und die kaufen inzwischen die Bäckerei.“ Er plädierte dafür, in dieser Situation „den Medienmarkt neu zu schlichten“, mit einer „strukturellen Neuordnung“. Das wäre auch für den ORF gut, „damit er sich nicht immer rechtfertigen muss.“ Ein geschwächter ORF wäre „für den journalistischen Standort schlecht.“
Zeiler: Investitionsverpflichtung kein Allheilmittel
Der als Gast angekündigte neue ORF-Chef Clemens Pig habe kurzfristig abgesagt, hieß es. Auf dem Podium saß dafür der einstige ORF-Chef und jetzige Warner-Bros.-Manager Gerhard Zeiler. Er kritisierte die Konzentration auf eine Investitionsverpflichtung. US-Streamer würden es zwar akzeptieren, aber dann in große Märkte wie Deutschland investieren. „FISAplus hilft viel mehr“, sagte Zeiler, „so lange die Deutschen so freundlich sind, das nicht nachzumachen.“
Wirtschaftsministerium weiter skeptisch zu Streamingabgabe
Das Förderprogramm FISAplus ressortiert beim Wirtschaftsministerium. Dessen Generalsekretär, Severin …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



