
Israel weigert sich libanesischen Angaben zufolge, seine Truppen aus weiteren Gebieten im Süden des Libanon abzuziehen, solange die libanesische Armee nicht die volle Kontrolle über die beiden ersten „Pilotzonen“ hat.
Dies erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Kreisen des libanesischen Präsidialamtes am Donnerstag nach Gesprächen in Rom zwischen beiden Ländern unter US-Vermittlung. Ein US-Vertreter erklärte, beide Seiten seien sich deutlich näher gekommen.
Es war die siebente Verhandlungsrunde zur Beendigung der Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz im Libanon. Die Gespräche auf technischer und fachlicher Ebene dauerten von Dienstag bis Donnerstag. Aus libanesischen Kreisen erfuhr AFP, dass die Gespräche „keine endgültigen Ergebnisse hinsichtlich der Pilotzonen gebracht hätten“. Ein Sprecher des US-Außenministeriums sagte AFP, die Gespräche seien „produktiv“ gewesen. Beide Seiten seien sich mit Blick auf die Ausweitung der Pilotzonen „deutlich näher gekommen“.
Pilotzonen für Abzug der israelischen Truppen
Israel hat im Südlibanon Truppen stationiert und geht dort gegen die Hisbollah-Miliz vor. Die beiden Nachbarländer hatten sich in früheren Gesprächsrunden auf ein Sicherheitsabkommen verständigt, dass in sogenannten Pilotzonen die libanesischen Streitkräfte, die nicht Konfliktpartei sind, die Kontrolle übernehmen und die Hisbollah-Miliz entwaffnen, während sich die israelische Armee schrittweise aus dem Gebiet zurückzieht.
Der Libanon begann am 21. Juli mit der Stationierung seiner Armee in einem Dorf im Süden des Landes, dessen Außenbezirke von der israelischen Armee kontrolliert wurden – der ersten der beiden Pilotzonen. In einer weiteren Zone verstärkte die Armee ihre Präsenz.
Israel will Ergebnisse sehen
„Der Libanon will neue Gebiete erschließen, während die israelische Seite darauf besteht, die Umsetzung in den ersten beiden Zonen zu überprüfen, bevor zur nächsten Phase übergegangen wird“, hieß es aus libanesischen Kreisen.
Ein israelischer Beamter erklärte, die Ausweitung des Plans erfolge „nicht automatisch“ und werde nur dann vorangetrieben, wenn die israelische Regierung Ergebnisse sehe.
Hisbollah lehnt Gespräche ab
Die Gespräche zwischen dem Libanon und Israel werden seit Mitte April geführt. Es sind die ersten direkten politischen Verhandlungen seit Jahrzehnten, offiziell befinden sich die beiden Länder im Kriegszustand und unterhalten keine diplomatischen Beziehungen miteinander.
Ziel ist aktuell, die Waffenruhe im Konflikt zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz zu festigen, die im Libanon lange wie ein Staat im Staate agierte. Die libanesische Regierung selbst ist keine Kriegspartei. Die USA vermitteln in den Gesprächen, an denen wiederum die Hisbollah nicht beteiligt ist. Die Miliz hat die Gespräche zwischen Israel und dem Libanon wiederholt abgelehnt und weigert sich, ihre Waffen abzugeben.
Die Hisbollah hatte den Libanon in den von den USA und Israel Ende Februar begonnenen Iran-Krieg hineingezogen, indem sie kurz nach Kriegsbeginn Raketen auf Israel abfeuerte. Israel reagierte darauf mit Angriffen und einer Bodenoffensive.
Source:: Kurier.at – Politik



