
In Zeiten internationaler Krisen gerät das Thema Eigenversorgung vermehrt in den medialen Fokus – und das vor allem im Hinblick auf Lebensmittel. Aber wie steht es eigentlich um die heimische Lebensmittelproduktion?
Laut Zahlen des Landwirtschaftsministeriums gibt es zwischen den verschiedenen Erzeugnissen große Unterschiede. Besonders hoch ist der Selbstversorgungsgrad bei Milch (177 Prozent). Dieser hohe Wert ist auf die heimische Landschaft zurückzuführen. Diese ist vielerorts geprägt von weitläufigen Wiesenflächen, die sich nicht für den Ackerbau eignen. Stattdessen können die Gräser nur in Form von Tierfutter zur Lebensmittelproduktion genutzt werden.
Selbstversorgungsgrad bei tierischen Produkten höher als bei pflanzlichen
Auch beim Fleisch ist der Selbstversorgungsgrad mit 107 Prozent besonders hoch. Am höchsten ist er beim Rind, gefolgt von Schwein und Geflügel. Weniger gut versorgt ist Österreich bei den pflanzlichen Produkten wie Getreide oder Erdäpfeln.
Deutlich niedriger als bei Milch und Fleisch ist der Versorgungsgrad bei Gemüse und Obst. Hier deckt die heimische Produktion nur 55 bzw. 33 Prozent des Bedarfs ab. Hintergrund sind die Anbaubedingungen, die eine große Rolle spielen. Viele Sorten benötigen ein warmes Klima und viel Licht, weswegen sie in Österreich kaum oder gar nicht angebaut werden können und importiert werden müssen.
Davor, dass der Selbstversorgungsgrad in einigen Bereichen sinken könnte, warnt die heimische Landwirtschaft regelmäßig. Und die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Österreich ist tatsächlich rückläufig. Im Zeitraum von 2020 bis 2023 ging sie laut einer Erhebung von Statistik Austria um 8,8 Prozent zurück. Der Trend geht seit einigen Jahren hin zu weniger, aber dafür immer größeren Betrieben.
„Bauernsterben“ soll durch bessere Bezahlung gestoppt werden
Um das „Bauernsterben“ zu stoppen, setzen sich Interessensvertreter für eine bessere Bezahlung der Landwirte ein. Der Bauernbund etwa fordert das Ende von „Schleuderpreisen für Lebensmittel“. Zuletzt stand der Ackerbau im Fokus, wo die Vergütung für die Landwirte seit Jahren stagniert. Gleichzeitig seien die heimischen Landwirte mit immer höheren Produktionskosten konfrontiert, beklagt Bauernbund-Präsident Georg Strasser.
Auch der zunehmende Import von Produkten aus Ländern mit geringeren Produktionsstandards als hierzulande wird häufig kritisiert. Zuletzt etwa wegen des EU-Mercosur-Handelsabkommens. „Sich in diesen weltpolitisch unsicheren Zeiten bei zentralen Lebensgrundlagen wie Nahrungsmitteln weiter von Übersee abhängig zu machen und eigene Versorgungsstrukturen zusätzlich unter Druck zu bringen, ist ein mehr als gefährlicher Irrweg“, kritisierte Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich.
Der Deal schürte unter europäischen Bauern die Sorge vor unkontrollierten Billigimporten, vor allem von Rindfleisch. Das EU-Parlament reagierte und stimmte zusätzlichen Schutzklauseln zu.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



