
In einer Welt, in der nahezu jede Kommunikation digitalisiert ist, wirkt der klassische Briefversand zunehmend wie ein Relikt vergangener Zeiten. Doch gerade bei behördlichen Bescheiden, Rechnungen, Versicherungsverträgen oder anderen rechtlich relevanten Dokumenten dominiert nach wie vor die papierbasierte Zustellung.
Das 2006 gegründete österreichische Technologieunternehmen hpc DUAL, an dem die Mediaprint mit 25 Prozent beteiligt ist, hat mit der Plattform Briefbutler eine Lösung entwickelt, die sich auf die Digitalisierung von Briefzustellungen spezialisiert hat. Zu den Kunden zählen die Stadt Wien, die Bundesimmobiliengesellschaft BIG, das Bundesrechenzentrum BRZ, E-Control, Austro Control, das Landesverteidigungsministerium, etwa 1.600 Gemeinden und sechs von neun Bundesländern.
Duale Zustellung
Herzstück der Briefbutler-Technologie ist das Prinzip der dualen Zustellung. Dabei werden Dokumente vorrangig digital an ein elektronisches Postfach des Empfängers übermittelt. Kann der Empfänger die digitale Nachricht nicht oder nicht rechtzeitig abrufen, schaltet das System automatisch auf die klassische Briefpost um.
„Wir sind angetreten, um den Transport von Briefen nach Hunderten Jahren zu verändern“, erklärt hpc-DUAL-Geschäftsführer Josef Schneider dem KURIER. „99,9 Prozent aller Behördensendungen, aber auch Geschäftsbriefe haben digitalen Ursprung. Wir drucken sie aus, stecken sie in ein Kuvert, kleben eine Marke darauf und befördern sie Hunderte Kilometer. Das ist nicht mehr zeitgemäß. Eine zukunftsfähige Lösung ist die elektronische Zustellung mit dem Briefbutler.“ Die duale Zustellung verbindet das Beste aus beiden Welten: Die digitale Zustellung erfolgt dort, wo sie möglich ist, die physische Zustellung nur dort, wo sie nötig und ein Empfänger digital nicht erreichbar ist.
Ungleichgewicht beseitigen
Laut Schneider funktioniert der digitale Versand derzeit nur in eine Richtung: von der öffentlichen Verwaltung an die Privatwirtschaft, aber noch nicht umgekehrt. „Als Unternehmen bin ich verpflichtet, elektronische Sendungen von Behörden zu empfangen“, erklärt Schneider. „Aber wenn ich etwas von der Behörde will, muss ich einen eingeschriebenen Brief postalisch an die Behörde schicken. Das ist ein Ungleichgewicht, das beseitigt gehört.“ Doch das sei gesetzlich noch nicht möglich. „Dazu braucht es eine Novelle im Zustellgesetz“, so Schneider.
Dazu könnte es in absehbarer Zeit kommen. Denn im Regierungsprogramm ist das Thema „Öffnung der elektronischen Zustellung für die Privatwirtschaft“ bereits festgeschrieben.
Die elektronische Zustellung bietet zahlreiche Vorteile: Sie kostet nur ein Drittel einer physischen Zustellung. Man benötigt keine Drucksorten, muss nichts drucken und kuvertieren und braucht keine Briefmarken.
76 Prozent weniger CO₂
„Wir haben eine Studie in Auftrag gegeben, die belegt, dass bei einer digitalen Zustellung 76 Prozent weniger CO₂ emittiert wird als bei einer physischen Zustellung“, betont Schneider. „Außerdem können wir jedem Kunden garantieren, dass seine Daten in Österreich bleiben.“ Die Software laufe über inländische Server und alle Daten werden verschlüsselt übertragen.
Auch die österreichische Post bietet seit 2017 eine E-Zustellung mittels E-Briefkasten an. Die Post steht bei der E-Zustellung aber vor einem Dilemma: Während das physische Briefgeschäft kontinuierlich schrumpft, scheint der E-Brief nicht als Wachstumstreiber zu funktionieren.
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



