
Start-ups gelten als Gradmesser für die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft. Sie treiben Innovationen und neue Technologien voran und verändern ganze Branchen. In Österreich ist es um die jungen innovativen Firmen nicht allzu gut bestellt. Anders als in Deutschland, wo im vergangenen Jahr mit einem Plus von fast 30 Prozent ein Rekord an Start-up-Gründungen gab, stagniert die Zahl der Neugründungen hierzulande seit Jahren.
Insgesamt wurden seit 2014 rund 3.800 Start-ups in Österreich gegründet. Wie viele es 2025 waren, ist noch nicht bekannt. Im Jahr davor waren es gerade einmal etwas mehr als 230. Unsicherheit und Investitionszurückhaltung würden die Gründungsdynamik bremsen, Erholung sei keine in Sicht, sagte Hannah Wundsam, Geschäftsführerin des Thinktanks Austrian Startups bei der Präsentation des Austria Startup Monitors 2025. Der alljährlich erscheinende Report, für den mehr als 600 Gründerinnen und Gründer befragt wurden, liefert eine Bestandsaufnahme der heimischen Szene.
Zukunftstechnologien
Mehr als 70 Prozent sind in Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz, Dateninnovationen, Life Sciences sowie Energie- und Umwelttechnologien tätig. 73 Prozent planen heuer Neueinstellungen. 9.000 Jobs sollen dadurch entstehen. Die Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen. Wundsam führt das auf den Einsatz von KI zurück. „Viele Start-ups nutzen die Technologie, um sich effizienter aufzustellen und in kleineren Teams mehr zu schaffen.“
Reduziert hat sich der Anteil von Frauen, Gründerinnen machten lediglich 21 Prozent aus. Im Jahr davor waren es noch 22 Prozent. Immerhin 34 Prozent der Start-ups haben mindestens eine Frau im Gründungsteam.
Gewachsen ist der Anteil der Auslandsumsätze. Mit 42 Prozent wurde der höchste Wert seit Beginn der Erhebung verzeichnet. 82 Prozent wollen heuer in internationale Märkte expandieren.
Profitabilität wird wichtiger
Mehr als die Hälfte der jungen Unternehmen haben externes Kapital aufgenommen. 49 Prozent werden mit 5 Mio. Euro oder mehr bewertet. Knapp 46 Prozent sind profitabel oder bilanzieren ausgeglichen.
Profitabilität habe einen höheren Stellenwert bekommen, sagte Kilian Kaminski vom Start-up Refurbed. Das Unternehmen, das einen Marktplatz für generalüberholte Geräte betreibt, schrieb im vergangenen Jahr zum ersten Mal schwarze Zahlen. Die Zeiten des Wachstums um jeden Preis seien vorbei, sagte der Gründer. Unternehmen müssten es schaffen, effizient zu wachsen und nachhaltig rentabel zu sein.
Aufgehellt hat sich die Stimmung unter den Gründern. Die aktuelle Geschäftslage bewerten fast 43 Prozent als sehr gut oder gut. Das sind mehr als im Jahr davor (39 Prozent).
Dachfonds startet 2027
Elisabeth Zehetner, die für Start-ups zuständige Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium sieht den Gründergeist intakt. Sie betonte den mit 23 Prozent hohen Anteil akademischer Ausgründungen aus Universitäten. Das seien Start-ups mit Potenzial, die den Wohlstand mitprägen werden, sagte Zehetner.
Die Staatssekretärin verwies auch auf den seit längerem geplanten Dachfonds. Der Fonds mit einem geplanten Volumen von 500 Mio. Euro, die aus öffentlichen und privaten Mitteln kommen sollen, soll Start-ups beim Wachstum unterstützen. Erste Investitionen sind 2027 geplant.
Auch Möglichkeiten zur Mitarbeiterbeteiligung sollen verbessert werden. Dazu soll die Anfang 2024 eingeführte neue Gesellschaftsform FlexCo evaluiert werden, sagte die Staatssekretärin. In der Szene setzt man auch große Hoffnungen in die von der EU-Kommission vor kurzem angekündigte einheitliche europäische Rechtsform EU Inc. Sie werde dazu führen, dass mehr Geld in europäische Start-ups fließt, ist Refurbed-Gründer Kaminski überzeugt:
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



