WKO-Funktionär Menz für Pensionsantrittsalter mit 70

Wirtschaft

Die wirtschaftliche Lage der österreichischen Industrie (450.000 Beschäftigte) bleibt angespannt. Was noch vor wenigen Monaten als vorsichtige Erholung interpretiert wurde, droht angesichts geopolitischer Unsicherheiten, hoher Energiepreise und struktureller Probleme erneut zu kippen.

„Krisen sind offenbar die neue Normalität“, warnt Siegfried Menz, Bundesspartenobmann der Industrie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). „Die Industrie steht auf wackeligen Beinen.“ Nominell sei der Produktionswert der 16 Fachverbände 2025 um drei Prozent auf 209 Milliarden Euro gestiegen, jedoch konnten die Verluste aus den Vorjahren nicht kompensiert werden. „Real bleibt Österreichs Industrie deutlich unter ihrem Leistungsniveau, wir müssen mit angezogener Handbremse fahren“, sagt Menz.

„Keine lustigen Rahmenbedingungen“

Die aktuellen Prognosen zeichnen ein ernüchterndes Bild. Statt des erhofften Wachstums von mehr als einem Prozent werden für heuer nur 0,5 bis 0,9 Prozent erwartet. Für 2027 schwanken die Schätzungen zwischen 0,9 und 1,3 Prozent – unter der Voraussetzung, dass es nicht zu weiteren externen Schocks kommt. 

„Das sind keine lustigen Rahmenbedingungen“, so Menz. Im Zentrum der industriepolitischen Forderungen steht einmal mehr die Senkung der Lohnnebenkosten. Österreich liegt mit rund 43 Prozent deutlich über dem deutschen Niveau von 38 Prozent. Eine Angleichung würde ein Entlastungsvolumen von rund zehn Milliarden Euro bedeuten. 

Eine Analyse von EcoAustria zeigt, welches Potenzial darin steckt: Eine Reduktion um 7,5 Milliarden Euro könnte rund 40.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen und den privaten Konsum um 1,5 Prozent erhöhen. „Ein Großteil dieser Maßnahme würde sich selbst finanzieren“, argumentiert der Industriefunktionär.

Ersatzlose Streichung

Konkret fordert die Industrie die ersatzlose Streichung des Dienstgeberbeitrags zum Familienlastenausgleichsfonds FLAF und eine Finanzierung über den öffentlichen Haushalt. Zusätzlich plädiert Menz für ein umfassendes Maßnahmenpaket bei der Arbeitsmarktfinanzierung, darunter eine Senkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags um einen Prozentpunkt. Auch die paritätische Ausgestaltung der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge sowie eine Anhebung des Pensionsantrittsalters müssten endlich offen diskutiert werden.

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„Wir schieben diese Debatte seit Jahren vor uns her“, kritisiert Menz. „Das Pensionsalter muss an die höhere Lebenserwartung angepasst werden. Da führt kein Weg vorbei.“ Ihm schwebt dabei das dänische Modell vor. In Dänemark wird das Pensionsalter schrittweise bis 2040 auf 70 Jahre angehoben.

500 Millionen Euro

Auch kritisiert Menz die geplante Steuer auf Plastikverpackungen, die die Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel gegenfinanzieren soll. „Ich halte es für absurd, für recyceltes Plastik eine Steuer einzuheben“, sagt der WKÖ-Funktionär. Bei nicht-recycelten Plastik habe man Verständnis dafür.

Ein weiterer Belastungsfaktor bleibt die Energie. Die Strompreiskompensation für 2025 und 2026 ist mit jeweils 75 Millionen Euro begrenzt und reiche nicht aus. Vor allem energieintensive Branchen wie Glas- und Holzindustrie müssten einbezogen werden. Der geplante Industriestrompreis ab 2027 ist mit 250 Millionen Euro dotiert. Er fordert eine Aufstockung auf zumindest 500 Mio. Euro.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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