
Paolo Zampolli ist in New York kein Unbekannter. Seit den 1990ern erscheinen Porträts über den gebürtigen Italiener. Die New York Post nannte ihn „Model-Mogul“, Vanity Fair spekulierte, wie der Mann mit dem rollenden R es schaffe, ohne echte Stars in seiner Agentur immer in den Klatschspalten aufzutauchen. „Lernen die Leute mich kennen, lieben sie mich. Kennen sie mich, sind sie eifersüchtig“, sagte er damals.
Heutzutage ist Zampolli ergraut, der markante Akzent ist geblieben. Nach einem Abstecher ins Immobiliengeschäft hat er das Metier gewechselt, das Vermitteln ist ihm geblieben: Er verschafft Interessierten Zugang zu einem seiner engsten Kontakte – Präsident Donald Trump.
Trumps Paralleldiplomaten
In dessen Auftrag ist er – wie Steve Witkoff und Jared Kushner – als „Special Envoy“ unterwegs und fädelt Deals ein. „Wenn Leute mich treffen, wollen sie Zugang zum Präsidenten. Ich sage ihnen: Kauft Boeing. Das macht ihn glücklich“, sagte er zur Financial Times. Zugang für Gegengeschäfte quasi.
Einen solchen Deal paktierte er zuletzt in Ungarn, wo er JD Vance zum Wahlkampf Viktor Orbáns begleitete. Dessen Noch-Regierung sagte den USA zu, Waffen und Öl im großen Stil zu kaufen, auch in Sachen Atomkraft soll Budapest künftig amerikanische Produkte beziehen – bisher war Ungarn in Sachen Energie komplett von Russland abhängig. Zuvor war Zampolli in Bukarest, wo er die Benennung eines Parks nach Donald Trump einfädelte.
Trump kennt den 56-Jährigen schon lange, es kursieren viele Fotos vom Ehepaar Trump mit Zampolli und seiner mittlerweile geschiedenen Frau, Amanda Ungaro. Der ehemalige Modelagent behauptete oft, er habe den Präsidenten einst seiner Frau Melania vorgestellt. Trump vermittelte den Zampollis dafür Botschafterposten bei der UNO.
Epsteins langer Schatten
Nun könnten Zampollis frühere Geschäftsfelder zur Belastung werden. Ins Rollen brachte das ausgerechnet Melania selbst, sie trat vor einer Woche im Weißen Haus auf und dementierte, je ein „Opfer Jeffrey Epsteins“ gewesen zu sein oder dass der sie mit Donald Trump bekannt gemacht habe. Seither wird spekuliert: Warum tat die First Lady das, obwohl es zuvor keine Vorwürfe gab?
Die Antwort darauf kann wohl Zampolli geben. Dessen Ex-Frau Amanda Ungaro, ein Ex-Model wie Melania, war als 16-Jährige in einem der berüchtigten „Lolita-Flieger“ des Sexualstraftäters gesessen. Und Zampolli selbst war in den frühen 2000ern eng mit dem Milliardär verbunden, man wollte eine Modelagentur kaufen. Auch bei einem Charityprojekt von Epsteins Komplizin Ghislaine Maxwell war er mit an Bord. Strafrechtlich ist das nicht relevant, politisch heikel ist die Nähe dennoch.
Brisant wird der Fall vor allem durch einen aktuellen privaten Konflikt. Laut der New York Times soll Zampolli seine Nähe zum Präsidenten genutzt haben, um seiner Ex-Frau das Leben schwer zu machen. Sie wurde kürzlich – nach vielen Festen mit dem Ehepaar Trump – von ICE nach Brasilien deportiert. Mutmaßlich nach einer Intervention Zampollis.
Der selbst streitet das ab. Ungaro, die auch um das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn kämpft, hat jedoch angedeutet, mehr zu wissen. „Wir haben Krieg“, sagte sie jetzt der El Pais – wohl auch mit den Trumps.
Source:: Kurier.at – Politik



