Historische Energiekrisen: Auf Holzkrise folgt Kohlekrise folgt Ölkrise …

Wirtschaft

Um 1600 steht Wolf Dietrich von Raitenau auf einer Anhöhe bei Hallein. Der Fürsterzbischof von Salzburg blickt auf das, was den Reichtum seines Erzstifts ausmacht: die Salinen. Salz ist das „weiße Gold“. Um es zu gewinnen, zahlt das Land einen hohen Preis, denn der Abbau frisst Wälder. Um die Sole zu sieden, braucht es gewaltige Mengen Holz. Zeitgenössische Berichte klagen über „Holzmangel“ und „teure Fuhr“.

„Der Holzmangel damals war im ganzen Land eklatant. Man hat sich beholfen, indem das Holz über weite Strecken, etwa über den Inn, herangeschafft wurde“, berichtet der Wirtschaftshistoriker Wolfgang Meixner von der Universität Innsbruck. Was wie ein lokales Problem wirkt, ist in Wahrheit eine der ersten belegten Energiekrisen Mitteleuropas, die auch im Landschaftsbild sichtbar war: ausgezehrte Wälder, die nicht schnell genug nachwuchsen. Die Antwort darauf waren strengere Forstordnungen und erste Ansätze nachhaltiger Bewirtschaftung. Das Grundproblem blieb: Der Energiehunger wuchs schneller als die Ressourcen.

Und heute?

2026 stürzt der US-israelische Krieg gegen Iran die Welt genau wegen dieses plötzlich nicht mehr zu befriedigenden Energiehungers in „die schwerste Energiekrise, die die Menschheit je erlebt hat“. So zumindest die Einschätzung von Fatih Birol, dem Chef der Internationalen Energieagentur. Der Konflikt zeigt, wie fragil scheinbar stabile Versorgungssysteme auch heute sind.

„Natürlich hat es immer wieder Energieknappheit gegeben“, bestätigt Meixner. Wobei Krisen weniger Motoren des Wandels waren als vielmehr des Wachstums. Auch das zeige ein Blick in die Geschichte. Die Holzkrise brachte zwar die große Zeit der Kohle.

 Aber es wird nach wie vor – bis heute – auch mit Holz geheizt.

  Ach, Timmy und der Zustand Deutschlands

Wolfgang Meixner / Wirtschaftshistoriker

Holz wurde nie von Kohle ersetzt, Kohle nie von Öl, vielmehr wurden alle Energieträger parallel weiter ausgebaut – schreibt zumindest der Umwelt- und Technikhistoriker Jean-Baptiste Fressoz 2025 in seinem Buch More and More and More und untermauert das mit historischen Beispielen. Seine Kernaussagen:

Es gab nie echte Energiewenden.
Neue Energie ersetzt alte nicht – sie kommt dazu.
Am Ende verbrauchen wir immer mehr von allem.

Beispiele gefällig?

Als Holz knapp und teuer wurde, brachte Kohle die Industrielle Revolution. In der Habsburgermonarchie und anderen Teilen Europas verlagerte sich die energetische Basis von nachwachsenden lokalen Ressourcen hin zu fossilen Lagerstätten. Bergwerke wurden tiefer, Städte rauchiger, Flüsse zu Transportadern. Mit der Dampfmaschine wurde Energie transportabel und scheinbar unbegrenzt. Die Industrialisierung löste das Holzproblem – und schaffte neue Abhängigkeiten. Kohle wurde zur Basis von Wachstum, aber auch von Umweltzerstörung und sozialer Umwälzung.

Im 20. Jahrhundert verschob sich vieles erneut: Öl wurde zum dominierenden Energieträger. Flüssig, flexibel, global handelbar. Die Weltwirtschaft richtete sich darauf aus – bis die Ölkrise 1973 zeigte, wie verletzlich dieses System ist. Als die OPEC die Förderung drosselte, gerieten ganze Volkswirtschaften ins Stocken. Autoschlangen vor Tankstellen, Pickerl auf Windschutzscheiben, die anzeigten, an welchem Tag das Auto still stehen musste: Österreich reagierte – wie viele Industriestaaten – mit Sparprogrammen und dem Versuch, die Abhängigkeit von importiertem Öl zu verringern.

Als die Krise weg war, waren auch die Maßnahmen, die man eigentlich setzen wollte, rasch vergessen. Man machte weiter wie bisher, die Bequemlichkeit hatte gesiegt.

Wolfgang Meixner / Wirtschaftshistoriker

Folgt man Fressoz’ Argumenten, könnte auch die Energiekrise 2026 nicht zum Ausstieg aus fossilen Energien …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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