Segnung homosexueller Paare: Papst gegen Marx

Politik

Nicht nur mit US-Präsident Donald Trump hat Papst Leo XIV. Meinungsverschiedenheiten, auch mit einem der mächtigsten deutschen Kirchenmänner, dem Münchener Erzbischof Kardinal Reinhard Marx. Letztere sind freilich völlig anderer Natur: Es geht um die in der katholischen Kirche in hohem Maße polarisierende Frage der Segnung homosexueller Partnerschaften (wie auch anderer nach katholischer Lehre in „irregulären Verhältnissen“ lebender Paare, z. B. wiederverheiratete Geschiedene).

Unter Papst Franziskus hat das Dikasterium für die Glaubenslehre 2023 eine Erklärung herausgegeben („Fiducia supplicans“ = „flehendes Vertrauen“), welche erstmals solche Segnungen erlaubte. Allerdings nur unter ganz bestimmten Bedingungen: Es dürfe keinesfalls der Eindruck einer liturgischen Feier entstehen, alles Förmliche sei zu vermeiden – es gehe nicht darum, „irreguläre Verhältnisse“ zu segnen und damit für „regulär“ zu erklären, sondern einzig darum, dass „alle, alle, alle“ Menschen (© Franziskus) gesegnet werden können.

In Deutschland, wo eine große Mehrheit der deutschen Bischöfe gemeinsam mit den im „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ (ZdK) organisierten Laien beim Synodalen Weg weitreichende Reformschritte versucht hat, auf den Weg zu bringen, hat man „Fiducia supplicans“ als Bestätigung genommen.

„Paare, die sich lieben“

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und das ZdK veröffentlichten 2025 eine Handreichung mit dem Titel „Segen gibt der Liebe Kraft – Segnungen für Paare, die sich lieben“, die allerdings weit über das vatikanische Dokument hinausging; die jedoch letztlich nur festschrieb, was faktisch in vielen europäischen Diözesen gängige Praxis ist: eine Segnung für Paare aller Art, die sich an die Kirche wenden.

Von den 27 deutschen Diözesen lehnen nur fünf (Köln, Augsburg, Regensburg, Passau, Eichstätt) die Handreichung ab. Nun aber hat mit Kardinal Marx ein kirchliches Schwergewicht dieses Papier zur „Grundlage des seelsorglichen Handelns“ erklärt. Von daher ist es wenig überraschend, dass Papst Leo bei seiner „fliegenden Pressekonferenz“ auf dem Rückflug von Afrika auch dazu befragt wurde. Und seine Antwort war unmissverständlich: Man habe bereits klar gemacht, „dass wir die förmlichen Segnungen von Paaren – in diesem Fall homosexueller Paare oder Paare in irregulärer Situation – nicht billigen über das hinaus, was Papst Franziskus ausdrücklich erlaubte, als er gesagt hat, dass alle den Segen erhalten können“. Gleichzeitig fügte der Pontifex hinzu, dass es „größere und wichtigere Themen“ für die Kirche gebe. Ungeachtet dessen zeigt sich: Die bereits unter Franziskus erkennbare Diskrepanz zwischen der deutschen Kirche und Rom bleibt auch in diesem Pontifikat ein Thema.

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Unerwartete Unterstützung bekam Leo XIV. vom US-Jesuiten und Queer-Aktivisten James Martin: Die Sorge des Papstes, dass Schritte über „Fiducia supplicans“ hinaus die Einheit der Kirche gefährden würden, sei berechtigt.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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