Georg Riha blickt auf Österreich: Schönheit, aber keine Postkartenbilder

Kultur

Über fünf Jahre lang hat Georg Riha die österreichische Landschaft vermessen: „Über Österreich – Eine höhere Sicht“ entstand aus spektakulären Luftaufnahmen von Vorarlberg bis ins Burgenland, von Berggipfeln bis zum Stephansdom. Ein Gespräch über Schönheit, große Leistungen und große Sünden.

KURIER: Herr Riha, Sie beginnen Ihren Film mit dem Sophokles-Zitat „Ungeheuer ist viel. Doch nichts ist ungeheurer als der Mensch“. Warum?

Georg Riha: Schauen Sie in die Welt! Wenn man den Umgang der Menschen miteinander beobachtet und die zivilisatorischen Rückschritte, die momentan weltweit stattfinden, kann man eigentlich nur verzweifeln oder weinen. Ich wollte demgegenüber bewusst machen, wie prächtig unser Land und wie magisch die schöne Kugel Erde ist. Es ist eine lustige Fügung, dass gerade vor drei Wochen vier Menschen den Mond umrundeten und sich von dort den wunderschönen Planeten Erde angeschaut haben. Ich kann mich noch erinnern, wie vor fast 60 Jahren die Apollo 8 erstmalig den Mond umrundete. Damals gab es noch kein Internet, sondern große Journale brachten Bildstrecken. Dieses Bild stammt aus dem Jahr 1968 im „Life“-Magazin (zeigt auf eine Aufnahme der Erde): Wunderbar. Damals war ich 17 Jahre alt und ich war platt … Diese Kugel ist fast viermal so groß wie unser Mond und schaut nicht nur grau und silber aus, sondern wunderschön. Und dann gibt es so ein komisches Wesen namens Mensch, das sich da prügelt.

Ihr gesamter Film besteht aus Luftaufnahmen zu Musik, ohne Dialoge. Zwischendurch gibt es Schwarzblenden, die Ihren Film in Kapitel unterteilen. Was ist die Geschichte dahinter?

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Der erste Teil meines Films, so könnte man sagen, ist ein schöner Österreich-Image-Film. Dann beginnt sich etwas zu ändern. Wir reißen die Erde auf, wir legen Verkehrsnetze und so weiter … Das ist der Preis der Zivilisation. Er gehört dazu und ich sage das jetzt ohne Kritik. Aber dann geht es schleichend weiter, Richtung Hybris und Blödheit.

An welche Bilder denken Sie da konkret?

Zum Beispiel daran, wie im Sommer in alpinen Regionen mit tonnenschweren Baggern und Schubraupen das letzte Restl des Schnees vom Vorjahr auf den zerbröselnden Gletscher zusammengesammelt wird. Wenn man das da oben anschaut, sieht man die menschengemachte Klimaerwärmung. Da erübrigt sich jede weitere Diskussion. Ich habe die ersten Flugaufnahmen vor bald 50 Jahren gemacht.

Von Gletschern?

Auch, und das ist jetzt 46, 47 Jahre her. Damals war ich das erste Mal noch mit einem kleinen Flugzeug mit ausgehängter Tür unterwegs und habe die Pasterze fotografiert. Wenn ich meine Bilder von damals anschaue und sie mit denen von jetzt vergleiche, wo alles ins Rutschen gekommen ist … da kann man eigentlich nur weinen.

Wie geht es dann weiter?

Es folgen Bilder zum Thema Mensch versus Natur und Natur versus Mensch. Stichwort: Lawine. Stichwort: Sturm. Stichwort: Aufgrund der Erderwärmung zu viel oder zu wenig Wasser. Dann geht es weiter mit Blödheiten des Menschen gegen den Menschen. Dazu fünf Bilder: ein Bild, Erster Weltkrieg. Zwei Bilder, Zweiter Weltkrieg, dann ein Massaker und ein Genozid. Mehr braucht man nicht zu zeigen, der Rest entsteht im Gehirn des Publikums.

Sie schließen mit den Navajo–Worten „Ringsum ist Schönheit“.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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