Pappano im Musikverein: Hollywood-Tanz und russisches Aufbegehren

Kultur

Kritik. Als Operndirigent demonstrierte der Brite Sir Antonio Pappano, mit welcher Intensität und Passion er seine Kunst zu gestalten auslebt. Das ließ er auch am ersten Abend seines zweitteiligen Gastspiels im Musikverein mit dem London Symphony Orchestra erleben, dem der ehemalige Musikdirektor der Covent Garden Opera seit der Spielzeit 2024/25 vorsteht.

Mit dem irisierenden Klanggemälde „Persephone“ von Imogen Holst, Tochter des Komponisten Gustav Holst, gab er einen meditativen Auftakt. Zum Ereignis ließ er mit der Geigerin Vilde Frang Erich Wolfgang Korngolds Violinkonzert in D-Dur werden. Diese Virtuosin hob sich von orchestralen Wogen mit ihren resoluten Strichen famos ab, agierte aber trotzdem harmonisch mit dem Kollektiv. Die technisch fordernden Passagen intonierte sie mit Leichtigkeit. Mit einem Höchstmaß an Kantabilität gab sie sich betörend der Poesie hin.

Tänzerisch und fulminant

Korngold ließ Elemente aus seiner Komposition für die Verfilmung von Mark Twains „Der Prinz und der Bettelknabe“ in sein Violinkonzert einfließen. Fulminant intonierte Vrang die tänzerischen Passagen und wurde nach einer Zugabe bejubelt. Wie man leidenschaftlich mit einem düsteren Werk mitreißen kann, führte Pappano bei Dmitri Schostakowitschs „Fünfter“ vor. Dieser Dirigent scheut kein Extrem. Sein Orchester macht alles mit. Die Seufzer der Geigen, die gigantische Marschrhythmen, der beißende Sarkasmus im Scherzo, kreischende Holzbläser, ein fast turbinenartiges Surren der tiefen Streicher, alles schien übertrieben, aber es klang wahrhaftig und überwältigte im großen Ganzen mit Tiefsinn. So klingt das Aufbegehren der Kunst gegen einen Diktator. Ovationen!

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Source:: Kurier.at – Kultur

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