Ein grenzenlos virtuoser Solist im Musikverein

Kultur

Mit der Miniatur „Short Ride in a Fast Machine. Fanfare for orchestra“ von John Adams gab die litauische Dirigentin Mirga Gražinytė-Tyla, die für ihre Landsfrau Giedrė Šlekytė eingesprungen war, einen rasanten Auftakt zum Konzert mit den Wiener Symphonikern im Musikverein. 

Der jüngst verstorbene Dirigent Michael Tilson Thomas, der in den 1980er Jahren am Pult der Symphoniker stand und später oft bei den Wiener Philharmonikern gastierte, hatte dieses Werk angeregt. 

Gražinytė-Tyla setzte auf Präzision und hielt die intensiven, beharrlichen, monotonen Holzschläge und die Bläser-Eruptionen streng im Zaum. Bei Béla Bartóks Bratschenkonzert (zu hören in der Bearbeitung von Peter Bartók und Nelson Dellamaggiore) mit Antoine Tamestit als Solisten hielt sie das Orchester im Ausdruck stark zurück, bis auf ein paar schwebende, flirrende Streicherpassagen. Das klang so, als würde sie darauf anspielen, dass nur der Solopart vom Komponisten ausgearbeitet wurde. 

Der fordert von seinem Interpreten unermessliche Virtuosität wie man sie von Tamestit kennt. Mit atemberaubender Natürlichkeit bringt er in diesem Stück sein Instrument in allen Lagen und Facetten zum Singen. Er agiert so, als gäbe es nichts, was er mit seiner Bratsche nicht spielen kann. Sublim intoniert er melancholische Weisen, anmutige, lyrische Passagen und furiose tänzerische Rhythmen. 

Die Dialoge mit den Solisten im Orchester wirken wie Doppel-Conferencen wie die Zugabe mit der Konzertmeisterin. 

Berlioz‘ ursprünglich geplante „Symphonie fantastique“ ersetzt die Dirigentin durch Antonín Dvoraks „Neunte“ und kehrt damit zurück nach Amerika. Analytisch arbeitet Gražinytė-Tyla jedes einzelne Motiv heraus, vermischt böhmische Folklore mit der Wild-West-Atmosphäre „Aus der Neuen Welt“. Im Largo spart sie das Emotionale weitgehend aus und befeuert umso mehr das Finale. Viele Bravos.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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