Sonderkoordinator: „Österreich kann einiges von der Ukraine lernen“

Politik

Nach mehr als vier Jahren russischem Angriffskrieg wird der Wiederaufbau in der Ukraine – Stand heute – mindestens 588 Milliarden Dollar verschlingen. Rund ein Fünftel davon ist für die Reparatur der massiven Kriegsschäden vorgesehen – achtzig Prozent aber sollen in künftige Investitionen bis zum Jahr 2030 fließen:

Von der Erneuerung der Infrastruktur, dem Ausbau Lembergs zum Logistik-Hub, der Umstellung auf europäische Schienenbreite im Bahnverkehr über die Land- und Forstwirtschaft, Wohnbau, Medizin, bis zur Umstrukturierung der Energiewirtschaft und vieles mehr.

Weil Österreich diesen wirtschaftlich höchst lukrativen Zug zum Wiederaufbau nicht verpassen wollte, ernannte die Regierung im Vorjahr einen Koordinator für jene heimischen Unternehmen, die genügend Mut haben, in der Ukraine zu investieren. Mit rund 250 heimischen Firmen arbeite man bereits am künftigen Vorgehen, schildert Koordinator Wolfgang Anzengruber. Einige von ihnen seien bereits vor Ort. „Wenn wir darauf warten, bis Frieden ist und wir dann erst anfangen, ist es zu spät. Jetzt werden die Claims abgesteckt“, sagt Anzengruber.

Denn die Konkurrenz vor Ort ist jetzt schon riesig: Unternehmen aus China, Japan, Südkorea, Kanada und den europäischen Staaten stecken bereits ihre Interessen ab. Wobei es, wie es Anzengruber schildert, nicht nur darum geht, heimische Unternehmen mit potenziellen ukrainischen Partnern zusammenzuführen. Vielmehr müssen Garantien erarbeitet, Risiken abgeschätzt und gute Verbindungen zu den internationalen Finanzinstitutionen aufgebaut werden.

Erste messbare Erfolge der jüngsten österreichischen Bemühungen lassen sich bereits in der Handelsbilanz nachlesen: Die Exporte in die Ukraine stiegen im Vorjahr um 16 Prozent, erstmals seit vielen Jahren hat Österreich damit wieder ein Plus erzielt.

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Von der Ukraine lernen

Vier Mal war Wolfgang Anzengruber binnen eines Jahres in der Ukraine – und hat dabei erfahren, „dass Österreich einiges von der Ukraine lernen kann: etwa bei der Resilienz oder im IT-Bereich“. Auch der ehemalige Verbund-Chef Anzengruber musste während der Luftalarme immer wieder in Schutzräume flüchten, konnte oft die Nächte nicht durchschlafen. In der Ukraine, sagt er, hätten ihm immer wieder Menschen erzählt, dass sie sich auf eine Fortsetzung des Krieges vorbereiten. Schon jetzt gelte es zu überlegen, wie der nächste Winter überstanden werden kann.

Gerade im Energiesektor hätten österreichische Unternehmen gute Chancen, führt Anzengruber aus. Die Ukraine will von großen, zentralen Kraftwerken abrücken – und das nicht nur, um das Risiko zu vermeiden, dass ein Drittel von Kiew nicht beheizt werden kann, wenn russische Raketen in einem zentralen Heizkraftwerk einschlagen. Zudem will die Ukraine von fossiler Energie vermehrt auf erneuerbare Energieträger umsteigen. Besonders beim Grünen Wasserstoff, ist Wolfgang Anzengruber überzeugt, „gibt es für uns Chancen.“

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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