
Von wegen gleicher Start, gleiche Chancen: Die Lohnschere zwischen Männern und Frauen öffnet sich nicht erst später im Leben – etwa durch Teilzeitarbeit nach der Babypause. Der Bericht „Bildung in Zahlen 2024/25“ wirft im Rahmen des „Bildungsbezogenen Erwerbskarrierenmonitorings“ einen genauen Blick auch auf die Einkommen junger Menschen genau 18 Monate nach ihrem Ausbildungsabschluss. Das ernüchternde Fazit: Der Gender Pay Gap ist bereits am Beginn der Karriere offensichtlich.
Nach der Lehre klafft die Schere sofort auf
Besonders drastisch zeigt sich die Ungleichheit bei den Lehrabsolventinnen. Nur eineinhalb Jahre nach dem erfolgreichen Abschluss steigen Männer im Median mit einem Bruttomonatsgehalt von 2.942 Euro in das Berufsleben ein, während Frauen sich mit 2.391 Euro zufriedengeben müssen. Eine Lücke von fast 600 Euro monatlich.
Ein Teil dieser Lücke lässt sich durch die klassische, stark geschlechterspezifische Berufswahl erklären: Burschen drängen in gut bezahlte technische Berufe, Mädchen oft in schlechter bezahlte Dienstleistungsbranchen. So dominieren Frauen etwa die Ausbildungen zu Sekretariats- und Büroarbeiten oder im Friseurgewerbe und der Schönheitspflege, während Männer den Maschinenbau oder die Elektrotechnik prägen.
Wer eine Ausbildung im IT-Bereich abschließt, darf sich über Median-Einkommen von rund 3.000 Euro freuen. Im Dienstleistungssektor hingegen erzielen Frauen 18 Monate nach Lehrabschluss mit 2.087 Euro brutto das österreichweit geringste Einkommen.
Doch die Berufswahl allein ist nicht die ganze Wahrheit. Selbst im selben Sektor werden Frauen massiv benachteiligt. Das extremste Beispiel findet sich im Ausbildungsfeld „Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei und Tiermedizin“: Hier steigen junge Männer nach der Lehre mit durchschnittlich 3.168 Euro ein, Frauen hingegen mit 2.256 Euro – ein satter Unterschied von fast 900 Euro im Monat trotz derselben Qualifikationsstufe.
Auch die Matura schützt nicht
Aber auch wer glaubt, dass höhere schulische Bildung zu mehr Gerechtigkeit führt, irrt. Bei den Absolventinnen einer berufsbildenden höheren Schule (BHS) verdienen Männer 18 Monate nach der Matura im Median fast 350 Euro mehr (2.870 Euro vs. 2.526 Euro).
Besonders deutlich wird dies an den Höheren Technischen Lehranstalten (HTL). Die Absolventen der stark männerdominierten „Technisch gewerblichen Schulen“ verdienen nach eineinhalb Jahren 3.000 Euro brutto im Monat. Die wenigen Frauen, die diese technische Ausbildung meistern, werden beim Berufseinstieg mit im Median 2.554 Euro abgespeist – fast 450 Euro weniger.
Einen kleinen Trost gibt es an den Schulen für wirtschaftliche Berufe (z.B. HLW): Hier verdienen junge Frauen beim Einstieg mit 2.367 Euro ausnahmsweise etwas mehr als Männer (2.244 Euro). Allerdings bewegen sich die Gehälter in diesem weiblich dominierten Bereich generell auf einem deutlich niedrigeren Niveau.
Akademikerinnen-Malus
Der Trend zieht sich bis an die Spitze der akademischen Leiter durch. Wer ein Diplom- oder Masterstudium abschließt, verdient beim Berufseinstieg generell gut – im Median rund 4.000 Euro. Doch auch hier herrscht ein klares Geschlechtergefälle, besonders in den hoch dotierten MINT-Fächern.
Im Ausbildungsfeld „Ingenieurwesen, verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe“ erhalten männliche Master-Absolventen im Median 4.423 Euro Lohn. Ihre weiblichen Kolleginnen, die exakt denselben akademischen Grad erworben haben, müssen sich mit 3.835 Euro begnügen.
Ein strukturelles Problem
Die Daten der Statistik Austria demontieren also den Mythos, dass Frauen nur deshalb weniger verdienen, weil sie später im Leben Kinder bekommen oder in Teilzeit wechseln. Das Erwerbskarrieren-Monitoring zeigt vielmehr: Der finanzielle Rückstand von Frauen beginnt strukturell ab …read more
Source:: Kurier.at – Politik



