
Es blitzt schon beim Vorspiel und später dann gewaltig beim Geständnis der Titelfigur. Dunkelheit und Düsternis beherrschen die spitzen Teile einer moderneren, verwinkelten Kirche. Sie ist einem Bild von Lyonel Feiniger, einem Maler der klassischen Moderne, nachempfunden. In diesem drehbaren, kirchlichen Einheitsbild im Heute lässt Peter Konwitschny Leoš Janáčeks „Katja Kabanowa“ am Linzer Landestheater spielen.
Der deutsche Starregisseur, der schon mehrmals hier am Haus inszeniert hat und der auch für Bühne gemeinsam mit Karin Waltenberger (auch Kostüme) verantwortlich zeichnet, hat dafür gemeinsam mit dem Dramaturgen des Hauses Christoph Blitt eine neue deutsche Fassung kreiert. Er will in der tragischen Geschichte der Katja, die von ihrer Schwiegermutter terrorisiert wird und eine Affäre eingeht auch die fehlende Empathie der Menschen überhaupt, die Bigotterie und Unterdrückungsmechanismen der Institution Kirche anprangern.
Packend, hochpsychologisch, ideen- und detailreich ist seine Personenführung. Nach ihrem Geständnis des Ehebruchs, wie eine Gerichtverhandlung ablaufend, geht Katja entgegen dem Libretto nicht in selbstmörderischer Absicht in die Wolga, sondern stirbt in der Kirche auf einer Bahre. Davor schreibt sie noch in großen Lettern auf eine Balustrade „Ich wünsche mir, an meinem Grab zu stehen und jene zu fragen, wo wart ihr, als ich noch lebte?“
Ein rotes Herz
Dunkelheit und Düsternis beherrschen auch Stimmungen der Protagonisten. Nur in der verbotenen Liebesnacht schwebt Katja engelsgleich mit ihrem Geliebten in einem roten Herz empor gemeinsam mit dem anderen Liebespaar, was das Publikum schmunzeln ließ, vielleicht etwas zu kitschig aufgetragen aber wahrscheinlich der einzige glückliche Moment ihres Daseins.
Aufwühlend wie die Szene ist zweifellos auch die musikalische Seite: Dafür sorgte das Bruckner-Orchester Linz unter Markus Poschner. Janáček Musik wird ungemein ausgereizt mit mitreißender Schönheit und tiefer Ausdruckskraft gespielt. Dunkel gefärbt werden die Gefühle der Personen in einer ohne Pause gezeigten Fassung geschildert.
Lyrische Eleganz
Carina Tybjerg Madsen ist eine von Liebe und Zärtlichkeit träumende Katja mit lyrischer Eleganz, intensiver Leidenschaft aber auch großem Leiden. Unerfüllt ist sie in ihrer Ehe mit dem schwachen Muttersöhnchen Tichon, den Christian Drescher mit kraftvollem Tenor gestaltet. Terrorisiert werden beide von ihrer Schwiegermutter Kabanicha, die von der zu wenig dominanten, zu wenig boshaften Clarry Bartha mit zu wenig Volumen gesungen wird. Sie hat ein Verhältnis mit dem Kaufmann Dikoj, den Michael Wagner meist betrunken und Wein aus einem Messkelch trinkend, ideal verkörpert.
Katjas Liebhaber Boris wird von Matjaž Stopinšek mit höhensicherem, leuchtendem Tenor gesungen. Kokett spielt und singt Manuela Leonhartsberger die Barbara, mit hellem Tenor singt Jonathan Harzendorf ihren geliebten Kudrjasch. Homogen hört man den Chor des Hauses.
Reicher Applaus!
Source:: Kurier.at – Kultur



