Tod einer Journalistin im Libanon überschattet Verhandlungen

Politik

In einem hochemotionalen Nachruf veröffentlichte die libanesische Tageszeitung al-Akhbar die letzte Nachricht ihrer Mitarbeiterin Ama Khalil: „Mir geht es gut … Das Auto vor mir wurde gezielt angegriffen.“ 

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die 43-Jährige gerade mit ihrer Kollegin, der Fotografin Zeinab Faraj, in einem leer stehenden Gebäude in der südlibanesischen Stadt Tayri versteckt. Zuvor hatten beide aus ihrem Auto mitangesehen, wie ein Luftschlag den Wagen vor ihnen zerfetzt hatte. Kurz darauf schlug auch in ihrem Versteck eine Rakete ein.

Israels Streitkräfte (IDF) leugnen die Angriffe nicht. Zwei Fahrzeuge hätten ein von der Terrormiliz Hisbollah genutztes Gebäude verlassen, die sogenannte „Verteidigungslinie“ zum von israelischen Truppen besetzten Süden überquert und damit gegen die Waffenruhe-Vereinbarung verstoßen, heißt es in einer Erklärung. Deshalb habe man eines der Fahrzeuge sowie das Gebäude, in dem die Insassen des zweiten Wagens Zuflucht suchten, aus der Luft angegriffen.

Das libanesische Rote Kreuz erhebt indes schwere Vorwürfe: Nachdem die beiden Journalistinnen einen Notruf abgesetzt hatten, habe ein Rettungsteam versucht, sie zu evakuieren. Die Helfer seien dabei „unter Beschuss“ geraten – zunächst seien Luftschläge in unmittelbarer Nähe niedergegangen, dann hätten israelische Soldaten mit automatischen Waffen auf die Rettungswagen gefeuert.

Erst nach dem fatalen Angriff auf das Gebäude konnte die Fotografin Faraj verletzt gerettet werden, für Ama Khalil kam jede Hilfe zu spät.

Brüchige Waffenruhe

Der Vorfall belastet die ohnehin angespannte Stimmung zwischen Israel und dem Libanon kurz vor einer neuen Gesprächsrunde am Donnerstag in Washington zusätzlich. Die zehntägige Waffenruhe war am 16. April auf Drängen der USA und der libanesischen Regierung vereinbart worden. Dennoch kommt es täglich zu gegenseitigen Angriffen zwischen Israel und der Hisbollah.

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Erst am Mittwoch feuerte die Terrormiliz, die nicht Teil der Verhandlungen ist, erneut Raketen auf Nordisrael. Am Samstag wurden zudem zwei französische Blauhelme der UNO-Friedensmission UNIFIL im Libanon getötet, Berichten zufolge von Hisbollah-Kämpfern. Umgekehrt führt Israel regelmäßige Luftangriffe durch – offiziell nur zum Zweck der Selbstverteidigung auf Stellungen der Hisbollah.

Libanon spricht von Kriegsverbrechen

Die Tötung der Journalistin Ama Khalil markiert eine neue Eskalationsstufe in einer ohnehin brüchigen Feuerpause. Libanons Premierminister Nawaf Salam sprach von Kriegsverbrechen und kündigte an, seine Regierung werde ungeachtet weiterer Verhandlungen Maßnahmen ergreifen, „um Israel vor internationalen Gremien für die gezielten Angriffe auf Journalisten und die Behinderung medizinischer Hilfe zur Rechenschaft zu ziehen“.

Auch das US-amerikanische Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) warf Israels Armee vor, die Berichterstattung über ihre Kriegsführung gezielt stoppen zu wollen: Khalil habe schon im September 2024 Todesdrohungen erhalten, die den IDF zugeordnet wurden.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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