
Langsam ziehen auf der Fahrt von Wien nach Budapest die endlos scheinenden Donau-Auen vorbei. Die 82 Kabinen der „MS Primadonna“ sind ausgebucht. Im Bordtheater des komfortabel ausgestatteten Katamarans, dem einzigen Fluss-Kreuzfahrtschiff unter rot-weiß-roter Flagge, erzählt der renommierte Historiker Oliver Rathkolb über die Habsburger-Monarchie, das Thema der Kreuzfahrt ist „500 Jahre Österreich-Ungarn“.
Schiffseigentümer Manfred Traunmüller, leidenschaftlicher Hobby-Historiker, moderiert launig.
Der Oberösterreicher, der seine Donau Touristik zu Europas größtem Radreisen-Veranstalter aufbaute, ist der einzige österreichische Donau-Reeder. Ihm gehört das drittgrößte Kreuzfahrtschiff auf der Donau, Kategorie vier Sterne S.
Das Cruise-Geschäft ist seit Jahren ein international hart umkämpfter Markt. Die meisten der 120 regelmäßig die Donau befahrenden Schiffe sind in Malta und Zypern registriert, einige wenige in Deutschland und der Schweiz.
Der Kostendruck ist enorm, trotzdem hat Traunmüller, der 2000 in die Schifffahrt einstieg, laut eigenen Angaben als einziger Anbieter alle 48 Mitarbeiter an Bord nach österreichischem Kollektivvertrag angestellt. Die Fluktuation, bestätigen Stamm-Gäste, sei daher auch niedrig.
Entschleunigendes Reisen und dabei die Umwelt schonen. Kläranlagen an Bord sind mittlerweile Standard, im Vorjahr investierte Traunmüller in energiesparende neue Caterpillar-Motoren. „Das Schiff verbraucht pro Tag 1950 bis 2100 Liter Diesel. Zum Vergleich, ein Airbus Frankfurt-New-York und zurück benötigt 105.000 Liter Kerosin“, rechnet er vor.
Fluss-Kreuzfahrten werden immer beliebter, mit alljährlichen Wachstumsraten. Die „Primadonna“ war im Vorjahr zu knapp 89 Prozent ausgelastet, heuer dürften es 99 Prozent werden.
Und trotzdem stellt sich für Traunmüller die große Frage, ob dieses Geschäftsmodell auf der Donau langfristig Zukunft hat. Das Problem sei der Klimawandel, meint Traunmüller. „Was nützt es uns, wenn wir noch so gut gebucht sind, wenn wir nicht fahren können?“.
Niedrigwasser
Im Vorjahr stand die „Primadonna“ dreieinhalb Wochen, wegen Niedrigwassers. „Die Prognosen der KI für die Donauschifffahrt für 2030 lauten auf zwölf Wochen“. Die kritische Stelle für die Schiffe ist Wildungsmauer.
Ein Kraftwerk Hainburg würde das Problem lösen, ist aber politisch in Österreich nicht realistisch. „Ein Wasserkraftwerk wäre besser als Windkraft und würde eine sichere Basis-Auslastung bringen. Man wird zumindest noch diesen Vorschlag machen dürfen“, meint Traunmüller.
Fixe Ziele könne man den Passagieren bei Fluss-Kreuzfahrten künftig vermutlich oft nicht mehr fix versprechen. Traunmüller will daher den Anteil der ohnehin gut nachgefragten Rad-Kreuzfahrten ohne feste Zielangabe und nur mit täglicher „Rad-Kilometerleistung “ weiter ausbauen.
Die im Unternehmen schon lange diskutierte Idee eines zweiten Schiffes bleibt vorläufig ein Wunsch. „Wir können nicht expandieren, wenn wir die Niedrigwasser-Situation nicht lösen können“. Auf der Donau sind zwar die Erträge höher, den größeren Teil seines Umsatzes macht Traunmüller aber mit den Radreisen. 20,5 Millionen Euro Umsatz brachten die Pedalritter im Vorjahr, 7,5 Millionen die „Primadonna“.
Der Selfmade-Unternehmer, selbst sportlicher Rennradler, hatte eigentlich den Donau-Radweg erfunden. Als Mitarbeiter des OÖ Tourismus initiierte er in den 1980er-Jahren den ersten Abschnitt des heute an beiden Ufern 500 Kilometer lang durch Österreich führenden Radweges.
Mit einem Kredit machte sich Traunmüller selbstständig, heute beschäftigt das Familienunternehmen 160 Mitarbeiter. Rund 32.000 Passagiere buchten im Vorjahr das Gesamtpaket aus Rad, Gepäckservice, Transfers und Nächtigungen. Der Donau-Radweg von Passau nach Wien ist allerdings nicht mehr die beliebtest Route, auf Platz eins ist der Alpe-Adria-Radweg.
Fakten
Donau Touristik
Das von Manfred Traunmüller gegründete und geleitete Unternehmen mit Sitz …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



