Marie Kreutzer mit „Gentle Monster“ in Cannes: „Fühlt sich an wie ein Lottogewinn“

Kultur

Marie Kreutzer spielt eigentlich nicht Lotto, aber dass ihr neuer Film „Gentle Monster“ im Hauptwettbewerb von Cannes gezeigt wird, „fühlt sich an wie ein Lottogewinn“, sagt die österreichische Regisseurin kurz vor der Premiere zum KURIER und lacht: „Es ist ganz toll!“

Marie Kreutzer ist nicht zum ersten Mal auf das Filmfestival in Cannes eingeladen. Bereits 2022 feierte sie hier einen Triumph. Ihr beflügeltes „Sisi“-Porträt „Corsage“ mit Vicky Krieps als Kaiserin Elisabeth lief in der renommierten Programmreihe „Un Certain Regard“ und wurde von der Kritik weitgehend umjubelt. Österreich reichte „Corsage“ als Oscarkandidat ein und schaffte es auf die Shortlist. Aber dann überschattete der Teichtmeister-Skandal alles: Der Wiener Burgtheaterschauspieler, der in „Corsage“ Kaiser Franz Joseph verkörperte, musste sich wegen des Besitzes von kinderpornografischen Darstellungen vor Gericht verantworten. Das Entsetzen darüber war groß, die Oscar-Chancen hinfällig.

Vier Jahre später kehrte Kreutzer nun an die Croisette zurück – und zwar in den Hauptwettbewerb um die Goldene Palme. Und dort ist ihr vielschichtiges Drama „Gentle Monster“ auch bestens aufgehoben, umso mehr, als Kreutzer mit Léa Seydoux und Catherine Deneuve zwei französische Stars gewinnen konnte, deren herausragendes Spiel das tief emotionale Familiendrama nochmals verfeinert.

Would I Lie to You, Baby?

In „Gentle Monster“ – übrigens der Name einer koreanischen Sonnenbrillenmarke, der Kreutzer „als perfekten Titel“ inspirierte – verkörpert Léa Seydoux eine erfolgreiche französische Pianistin und Sängerin, die berühmte Popsongs neuinterpretiert und damit Konzerthallen füllt. Gleich in der ersten Szene sitzt Lucy an ihrem Flügel und summt nachdenklich den Klassiker „Would I Lie to You, Baby?“ des US-Soulduos Charles & Eddie vor sich hin. Noch ahnt sie nicht, dass dieses Lied seine Schatten vorauswirft, und die Frage nach Lüge und Wahrheit ihr Dasein erschüttern wird.

  Bombast-Pop und Opern-Rock: Das war das 2. Song-Contest-Semifinale

Auf den ersten Blick aber sieht ihr Leben wie ein gutes Leben aus. Lucy ist mit ihrem österreichischen Mann Philip, von Beruf Kameramann und gespielt vom künftigen „Tatort“-Kommissar Laurence Rupp, und dem gemeinsamen kleinen Sohn Johnny in ein Haus nahe der bayerischen Grenze gezogen. Die Kleinfamilie wirkt glücklich, das Sexleben zwischen Lucy und Philip scheint intakt. Doch eines schönen Morgens steht plötzlich die Münchner Kripo vor der Tür und führt Philip ab.

Das volle Ausmaß der Anklage gegen ihren Mann kapiert Lucy erst, als sie ihm auf das Kommissariat in den zweiten Stock folgt: Dort befindet sich die Abteilung für sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendpornografie.

Léa Seydoux ist eine wahre Meisterin darin, Gefühle in ihrer Prozessartigkeit zu visualisieren: Man kann ihr förmlich dabei zusehen, wie ihre Emotionen – von Verleugnung bis hin zu Verzweiflung – in Schockwellen über ihr Gesicht laufen. Zuerst die bittere Einsicht, dass sie den Mann, den sie liebt, offensichtlich nicht kennt. Dann der grässliche Verdacht, dass er womöglich dem Sohn etwas angetan haben könnte. Sie schnappt das Kind und flüchtet zu ihrer Mutter (Catherine Deneuve).

Aufgestellte Nackenhaare

Nein, die Thematik der Pädophilie in ihrem neuen Film war nicht von den Ereignissen rund um Teichtmeister angestoßen, so Marie Kreutzer: Sie sei schon früher, durch einen Artikel in der Zeit über einen kinderpornografischen Ring daraufgekommen: „Der Plot von ,Gentle Monster‘ war bereits da, bevor ich in die Produktion …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.