
Es ist ein außergewöhnlicher Deal – und ein kulturpolitischer Akt, der langfristig die Sichtbarkeit der Kunst aus „Wien um 1900“ in den USA garantiert: Ab 2028 wird die „Neue Galerie“, das an der 5th Avenue gelegene Museum für deutsche und österreichische Kunst in New York, Teil des Metropolitan Museums (kurz „Met“). Das gaben der aus Österreich stammende Met-Direktor Max Hollein und der Gründer der Neuen Galerie, Ronald Lauder, am Donnerstag bekannt.
Der Kosmetikerbe Lauder, der von 1986-1987 auch US-Botschafter in Wien war, ist einer der profiliertesten Sammler österreichischer und deutscher Kunst des frühen 20. Jahrhunderts. 2006 kaufte er das restituierte Klimt-Gemälde „Bildnis Adele Bloch Bauer“ um 135 Millionen US-Dollar – damals der höchste Preis für ein Kunstwerk überhaupt.
Das Werk, das Lauder als „unsere Mona Lisa“ bezeichnet, hängt seitdem in der 2001 eröffneten Neuen Galerie – und wird dort auch bleiben. Doch der Bestand der Werke geht durch die Fusion in den Besitz des Metropolitan Museums über – laut Hollein geht es um über 600 Werke. Zusätzlich versprachen Lauder und seine Tochter Aerin Lauder Zinterhofer, dem Met weitere Werke als Schenkungen zu überantworten – darunter Klimts „Tänzerin“ (1916-18) und das Bildnis „Der schwarze Federhut“ (1910).
Wiedereröffnung im Herbst mit „25th Anniversary Exhibition“
Ebenfalls in den Besitz des Met Museums kommt das 1914 für den Industriellen William Starr Miller II errichtete Gebäude, das 2001 in ein Museum mit Café und Jahrhundertwende-Flair verwandelt wurde. Es wird ab 27. Mai für eine Umgestaltung geschlossen und im Herbst mit einer „25th Anniversary Exhibition“, die alle Meisterwerke der Sammlung umfassen soll, wiedereröffnen.
Für den Betrieb der Neuen Galerie, die neben der auf mittelalterliche Kunst fokussierten Außenstelle „Met Cloisters“ zum dritten Außenposten des Museums avanciert, konnte das Museum große Kapitalspenden auftreiben: Die Rede ist von 200 Millionen Dollar, die – wie im System der USA üblich – angelegt werden, so dass die Kapitalerträge den laufenden Betrieb finanzieren. Eine Hauptspende kommt von der einer Bankiersdynastie entstammenden Mäzenin Marina Kellen French, die auch den Direktionsposten von Max Hollein selbst nach ähnlichem Muster finanziert (sein offizieller Titel lautet daher „Marina Kellen French Director“).
Ronald Lauder, Sohn der Kosmetikunternehmerin Estee Lauder, ist ebenso tief im US-amerikanischen System der Philantropie verwurzelt. Sein Bruder, der 2025 verstorbene Leonard Lauder, hatte dem Met bereits eine der größten Spenden seiner Geschichte gemacht.
Lauder selbst sammelte neben moderner Kunst u. a. auch Waffen und Rüstungen und bedachte das Museum auch in diesem Bereich immer wieder mit Spenden. Die Idee, ein eigenes Museum für deutsche und österreichische Kunst zu gründen, hatte er gemeinsam mit dem emigrierten Kunsthändler Serge Sabarsky, den er 1967 kennen lernte. 1994 erwarben sie das Haus an der Fifth Avenue. Der Name „Neue Galerie“ greift auf den Namen zurück, den der Kunsthändler Otto Kallir einst seiner Galerie in der Wiener Grünangergasse – der späteren Galerie (nächst) St. Stephan – gab.
Die Eröffnung der New Yorker „Neuen Galerie“ im Jahr erlebte Sabarsky nicht – er starb 1996. Das Museumscafé ist aber nach ihm benannt. Wie Lauder gegenüber der New York Times bekannte, wollte er nun auch sein Erbe unter Dach und Fach …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



