EU-Bauernverband sorgt sich um steigende Düngerkosten

Politik

Ohne Dünger kann die konventionelle Landwirtschaft nicht überleben, sagt Nikolaus Berlakovich, einst Landwirtschaftsminister und derzeit Vizepräsident des EU-Bauernverbandes Copa-Cogeca. Biolandwirte, ergänzt er, kommen schon auch ohne Dünger aus, aber der größte Teil der europäischen Landwirte ist auf das Einbringen von Stickstoff und Phosphor angewiesen, um die Grundernährung der europäischen Bevölkerung zu gewährleisten.

Anti-Dumping-Zölle

Seit etwa eineinhalb Jahren ist jedoch der Düngerpreis schwer unter Druck. „Begonnen hat es damit, dass die EU-Kommission Sanktionen gegen Dünger aus Russland und Belarus verhängt hat, also eine Strafsteuer. Dann kam Dünger aus den USA, aus der Karibik und Ägypten, diese wurden mit Anti-Dumpingzöllen belegt, was auch diesen Dünger verteuerte. Idee war, dadurch die europäische Düngemittelindustrie zu schützen“, erklärt Berlakovich die Situation.

Als neues Problem kam dann der Irankrieg und die Sperre des Seehandels bei Hormus am Persischen Golf. Zuvor kam von dort viel Stick- und Harnstoff nach Europa. Durch den Ausfall seien die Preise abermals gestiegen. Und seit diesem Jahr werden Dünger-Importe in die EU mit dem CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM belegt, also durch die CO2-Steuer erneut verteuert.

„Wir, als Copa-Cocega-Verband, fordern schon länger, dass der Dünger vom CBAM ausgenommen wird, um diesen für die Bauern wieder erschwinglicher zu machen. Das hat uns die EU-Kommission anfangs auch in Aussicht gestellt“, sagt Berlakovich. Im Gespräch sei als alternative Lösung auch eine Art finanzieller Ausgleich für die Landwirte gewesen. Der Dünger sei bereits um etwa 30 Prozent teurer geworden.

Untätige EU-Kommission

„Passiert ist in Wahrheit aber gar nichts, was die Frustration und die Unsicherheit erhöht“, sagt Berlakovich. Aus Frankreich sei ihm gemeldet worden, dass mancherorts Bauern gar nicht mehr ihre Felder bestellen, weil sich der Anbau durch die hohen Diesel- und Düngerpreise nicht mehr rechne.

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Besonders ärgerlich in dieser Situation sei, dass die europäischen Düngemittelproduzenten einfach ihre Preise an CBAM und Co. angepasst hätten. „Der Eindruck ist, dass diese ein Oligopol haben, weil es nicht mehr viele Produzenten in der EU gibt und sie die Preise deshalb anheben können. Aus meiner Sicht sollte sich die Kommission das wettbewerbsrechtlich genauer ansehen.“

Er präzisiert: „Für Dünger werden Europas Bauern in diesem Jahr nun rund 826 Millionen Euro zusätzlich bezahlen müssen. Und wenn der Preisanstieg mit den immer höheren CBAM-Zöllen einhergeht, sind es 2033 bereits zwölf Milliarden Euro.“

Kommenden Dienstag wird die EU-Kommission einen „Fertilizer Action Plan“ beschließen, um die Situation für Landwirte zu mildern. „Uns ist der Plan vorab zugespielt worden, dieser ist alles andere als hilfreich. Außer Absichtserklärungen, und was man alles tun könnte, steht da nichts drinnen“, ärgert sich der Vizepräsident der EU-Bauernvereinigung. Kein Aussetzen des CBAM, kein finanzieller Ausgleich, keine kurz-, mittel- oder langfristigen Maßnahmen seien von der EU-Kommission zu erwarten.

Der Bauernverband kündigt deshalb eine erste große Protestkundgebung in Straßburg an, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. „Das Motto ist schlicht: kein Dünger, keine Nahrungsmittel“, sagt Berlakovich. Die Düngerkrise der Bauern sei die kommende Lebensmittelkrise für die Konsumenten. Berlakovich hofft, dass jetzt jemand rasch die Stopp-Taste drückt.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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