
Wenn Österreich am Samstag (12.20 Uhr/ORF1) gegen Großbritannien und am Sonntag gegen Ungarn (16.20 Uhr) mit zwei Siegen und sechs Punkten in die WM in Zürich starten würde, dann wäre das erste Ziel Klassenerhalt bereits sicher. Gerade gegen diese beiden Nationen wird die junge Mannschaft von Teamchef Roger Badergute Leistungen der Top-Spieler brauchen.
Zwei dieser Routiniers wissen, wie man in der Schweiz Leistung bringt. Denn sie tun das auch im Eishockey-Alltag bei ihren Arbeitgebern – Verteidiger Bernd Wolfbeim EHC Klotenund Stürmer Dominic Zwergerzuletzt beim HC Ambri-Piotta.
Bernd Wolf blickt auf eine Saison zurück, die er selbst als zwiespältig beschreibt. Spielerisch sei sie besser gewesen als die davor, statistisch hingegen schlechter. Gerade daraus habe er aber viel gelernt. „Ich habe verstanden, dass du nicht alles kontrollieren kannst“, sagt der 29-Jährige.
Statistiken würden im Eishockey oft ein verzerrtes Bild zeichnen, meint Wolf. „Wenn ich einen schlechten Pass bekomme und der Gegner schießt ein Tor, dann ist das laut Statistik mein Turnover.“ Deshalb habe er sogar aufgehört, persönliche Zahlen und Werte zu verfolgen.
Unter dem Radar
Stattdessen konzentriere er sich auf jene Dinge, die er beeinflussen könne: Zweikämpfe, Energie und Scheibengewinne. Wolf sieht sich nicht als Spieler für Schlagzeilen oder Highlight-Videos. „Ich werde nie der Spieler sein, der drei Tore schießt und zwei Assists macht.“ Seine Rolle sei die „Drecksarbeit“. Gerade deshalb müsse er sich manchmal selbst auf die Schulter klopfen, weil Spieler ohne auffällige Statistik oft wenig Anerkennung bekämen.
Dominic Zwerger kommt oft in den Highlight-Videos vor. Speziell in den Ausschnitten von Österreichs Erfolgen in den vergangenen Jahren. Dass Österreich mittlerweile international anders wahrgenommen wird, spürt auch Zwerger. Früher sei ein Sieg gegen Österreich für viele beinahe selbstverständlich gewesen. Das habe sich geändert. „Den Respekt haben wir uns erarbeitet“, sagt der Stürmer. Heute nehme keine Mannschaft Österreich mehr auf die leichte Schulter. Gleichzeitig sieht er darin eine Herausforderung: „Jetzt nimmt uns jeder für voll.“
„Wie ein Underdog spielen“
Wolf warnt davor, die Herangehensweise gegen die schlagbaren Gegner zu Turnierbeginn zu ändern. „Wir müssen trotzdem wie ein Underdog spielen.“ Entscheidend sei, nicht zu viel zu wollen und sich auch von möglichen Rückschlägen nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. „Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon.“
Dass Österreich ernster genommen wird, merkt Wolf deutlich. Früher habe das Nationalteam „einzelne Topspieler“ gehabt, inzwischen werde der Respekt größer, weil die Mannschaft als Kollektiv funktioniere. „Der Zusammenhalt macht uns aus“, sagt er. Viele Spieler seines Jahrgangs (1997, Anm.) würden einander seit der Jugend kennen und hätten gemeinsam viele Turniere bestritten. Diese Entwicklung spüre man nun im Nationalteam bei WM-Turnieren.
Zwerger fühlt sich so gut wie noch nie
Sehr hohes Niveau hat Dominic Zwerger heuer gespielt. Der Vorarlberger erzielte 16 Liga-Tore und wirkt nicht nur körperlich fitter als in den vergangenen Jahren, er fühlt sich auch mental stärker denn je. Verantwortlich dafür sei unter anderem die Zusammenarbeit mit einem Personal Coach, mit dem er seit drei bis vier Jahren arbeitet. „Ich bin auf einem Fitnesslevel, auf dem ich noch nie war.“
Source:: Kurier.at – Sport



