
Auf massiven Widerstand stoßen die geplanten Sparpläne der Regierung bei den Uni-Budgets. Am 27. Mai planen die Unis eine Großdemonstration auf der Wiener Ringstraße sowie Proteste in den anderen heimischen Hochschul-Städten. Das kündigen die Spitzen der heimischen Universitäten bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz an.
Wie berichtet soll es im nächsten Dreijahresbudget (2028 bis 2030) für die 22 öffentlichen Unis insgesamt 15,5 Milliarden Euro geben, in der aktuellen Leistungsvereinbarungsperiode sind es noch 16,5 Milliarden. Das bedeutet ein Minus von einer Milliarde.
Stellt man in Rechnung, dass die Rektoren zuletzt noch ein nötiges Plus von 1,5 Milliarden auf Basis der Wifo-Prognosen veranschlagt hatten, kommt man gar auf eine Kürzung von 2,5 Milliarden Euro.
„Das ist ein Minus von knapp 14 Prozent“, rechnet Brigitte Hütter, Präsidentin des Universitätenkonferenz-Dachverbandes uniko vor.
„Wir werden das nicht hinnehmen und kämpfen. Unser Anteil am Gesamtbudget liegt bei lediglich vier Prozent, insofern ist ein derartiger Einschnitt nicht nachvollziehbar.“ Hütter spricht von einem „Offenbarungseid für den Stellenwert der Wissenschaft und Forschung. Uns wurde expressis verbis gesagt, dass diese Bereiche kein Schwerpunkt für die Regierung sind“.
Hütter spricht von gravierenden Auswirkungen für den Uni-Betrieb: „Wir können 10.000 Stellen nicht mehr nachbesetzen, das bedeutet eine Kürzung des Personals um ein Fünftel.“ Die Folgen: Der Betreuungsschlüssel an den Unis würde sich wieder verschlechtern, die Studiendauer werde länger. Auch über die Erhöhung der Studiengebühren werde man nachdenken müssen.
„Geht an die Substanz“
„Das ist nicht Kosmetik, da geht es an die Substanz“, sagt Sebastian Schütze, Rektor der Uni Wien. „Es geht um radikalen Personalabbau auf allen Ebenen. Die Top-Leute sind weg, wenn wir nicht mehr finanziert werden. Auch der Nachwuchs ist betroffen. All das bedeutet einen gigantischen Reputationsschaden.“ Und das, nachdem sich die heimischen Hochschulen im internationalen Vergleich zuletzt stark verbessert hätten.
Für Schütze gehe die Regierung in die völlig verkehrte Richtung: „Die EU-Kommission verdoppelt Forschungsausgaben, wir kürzen sie. Die Unis sollen vielmehr Teil des Konjunkturpakets sein.“
„Wir haben zum Sparpaket mit unterproportionalen Gehaltsabschlüssen schon beigetragen“, sagt auch Jens Schneider, Rektor der TU Wien. „Mit den nun geplanten Maßnahmen werden Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit massiv gefährdet.“ Er streicht die Bedeutung der heimischen Hochschulen hervor: „Fast 80 Prozent der Patente aus Forschung kommen aus Universitäten.“ Schneider erwarte sich ein „Nachsteuern der Regierung“, schließlich gehe es auch um Generationengerechtigkeit.
Für Markus Müller, Rektor der MedUni Wien, werde darüber hinaus auch die Patientenversorgung gefährdet, würden doch dabei die vier heimischen Unikliniken eine zentrale Rolle spielen. „Das AKH Wien etwa trägt für ein Drittel der Versorgungsleistung der Stadt die Verantwortung.“
Scharf ins Gericht geht Hütter mit Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ). „Sie betont immer wieder, dass Österreich ein guter Hafen für internationale Forscher ist. Wenn das Sparpaket kommt, ist es das nicht einmal mehr für heimische Forscher.“
Die geplanten Proteste gemeinsam mit Hochschülerschaft und Gewerkschaft sind nicht die einzigen Schritte, die die Unis jetzt setzen. „Wir steigen aus dem Hochschulprozess mit der Ministerin mit sofortiger Wirkung aus“, kündigt Hütter an. „Wenn die Universitäten rückgebaut werden, braucht man nicht über deren Weiterentwicklung sprechen.“
Source:: Kurier.at – Politik



