
Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe, aus Jena gebürtig, ermordeten im Namen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) zwischen 2000 und 2007 neun Migranten und eine Polizistin. Die Uwes nahmen sich 2011 das Leben, Zschäpe fackelte das Haus in Zwickau ab, in dem sie mit diesen gewohnt hatte. Bevor sie flüchtete, gab sie ihre zwei Katzen bei einer Nachbarin ab, eine bettlägerige Frau hingegen ließ sie in den Flammen zurück. Nicht nur der Terror der Neonazis, die Punks gewesen waren, machte sprachlos: Beamte des Verfassungsschutzes vernichteten nach Bekanntwerden des NSU relevante Akten.
Auf Basis von Dokumenten schrieb Gerhild Steinbuch den ziemlich dichten, Elfriede-Jelinek-artigen Text „Beate Uwe Uwe Selfie Klick“, der 2016 in Chemnitz zur Uraufführung gelangte. Unter dem Titel „Welthauptstrand Europa“ brachte ihn nun das Max Reinhardt Seminar im Schlosstheater Schönbrunn heraus.
Der Grund dürfte wohl sein, dass man die Inszenierung von Katrin Plötner am 13. Juni in Rostock zeigt. Dort sind der NSU und die nachfolgenden Prozesse (Zschäpe wurde 2018 zu lebenslanger Haft verurteilt) sicher präsent; in Wien hingegen sollte man sich vielleicht ein bisschen einlesen. Denn sonst versteht man all die Anspielungen hinter Steinbuchs Anklage nicht.
Erklärungen darf man sich von der 60-minütigen Performance keine erwarten: Die zehn Studierenden des dritten Jahrgangs zeigen, paramilitärisch uniformiert in Sneakers von New Balance, eine imponierende Ensembleleistung an einem Ostseestrand, der schließlich in Bergen von geschreddertem Papier als „Konfetti“ versinkt (Ausstattung von Daniel Angermayr).
Es gibt starke Bilder und eine exakte Choreografie mit roten Sonnenschirmen, deren Stangen zu Waffen werden, aber immer nur Masse und Macht, keine Individuen. Daher kann auch niemand mit schauspielerischen Leistungen glänzen, einer übertreibt es mit der Zurschaustellung des Undercut-Proto-Neonazis. Das ist irgendwie schade.
Source:: Kurier.at – Kultur



