„Als Mädchen Zähne zeigen“: Eine 15-jährige Wienerin will in die Formel 1

Sport

Ivonn Simeonova ist 15 Jahre jung, fährt Kart und das offenbar gut. Mehr als 200 Pokale stehen zu Hause. Einen Platz hält sie frei: für die Trophäe des Formel-1-Weltmeisters.

Ivonn Simeonova hat nicht nur einen großen Traum. Sie ordnet ihm auch alles unter. Beim Interview-Termin mit dem KURIER fällt eines zuerst auf: eine Halskette. Nicht einfach nur ein schlichtes Kreuz hängt daran, sondern daneben ein kleiner Schraubenschlüssel. Kein auffälliges Schmuckstück – eher eines, das beiläufig wirkt und genau deshalb hängen bleibt. Glaube und Technik, zwei Dinge, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, liegen bei ihr dicht beieinander.

Der Weg auf die Rennstrecke beginnt bei Ivonn Simeonova früh – und er beginnt nicht zufällig. Der Vater war selbst im Formelbereich aktiv, der Motorsport kein fremdes Territorium, sondern Familiensprache. Mit fünf sitzt sie erstmals im Kart, mit sechs fährt sie Landesmeisterschaften in Niederösterreich.

Heute startet sie für das Kirschenhofer Racing Team in der Seniorklasse – ab 14 Jahren, nach oben offen. Die meisten Gegner sind zwischen 16 und 20. Und fast alle sind Burschen. „Die denken sich: ,Das Mädl kann nicht vorne sein‘“, sagt sie. Kein Vorwurf, eher eine nüchterne Beschreibung des Feldes, in dem sie sich bewegt. Ihr Kart leistet rund 30 PS, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 150 km/h. Über Platzierungen entscheiden Sekundenbruchteile. „Man muss als Mädchen schon mehr Zähne zeigen.“

Man muss als Mädchen schon mehr Zähne zeigen.

Ivonn Simeonova / Kart-Fahrerin

David Coulthards Förderprogramm

Hinter Ivonn Simeonova steht ein System, das Leistung nicht dem Zufall überlässt. Das Förderprogramm „More than Equal“ – gegründet von David Coulthard und dem tschechischen Unternehmer Karl Komarek – unterstützt gezielt junge Fahrerinnen mit dem erklärten Ziel, eine Formel-1-Weltmeisterin hervorzubringen. Coaches, Ernährungsberater, Psychologen. Krafttraining für die so wichtige Nackenmuskulatur. Und ein Rennfahrsimulator, der bei Ivonn Simeonova zu Hause im Wohnzimmer steht.

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Der Tagesablauf der Schülerin ist eng getaktet. Schule bis 15 Uhr, Hausaufgaben, Simulator, Gym. „Ich trainiere jeden Tag, egal ob Kraft oder Cardio“, sagt sie. Freizeit gibt es kaum, manchmal gar keine. „Wenn mich meine Freunde anrufen, muss ich meistens absagen.“ Über 30 Flugreisen hat sie heuer schon hinter sich – Rennen, Trainings, Programm-Events. Die Schule läuft im Hintergrund mit, Stoff muss oft nachgeholt werden.

Freizeit bleibt auf der Strecke

Manchmal, sagt Ivonn, fühle sie sich einsam – wenn sie alleine im Gym steht und weiß, dass ihre Freunde gerade zusammen sind. Der Satz steht kurz im Raum, unkommentiert. Dann kommt der nächste: „Aber eines Tages wird sich das lohnen.“ Die paar Teenagerjahre, die sie jetzt abgibt, könne sie später nachholen. So die Rechnung. Sie klingt nicht, als würde sie zweifeln.

Was beim Rennen passiert, beschreibt Simeonova als ihren eigenen Zustand. „Das ist cool, meine eigene Welt. Am Start zu stehen ist Nervenkitzel. Da zittere ich und gehe im Kopf durch, was ich tue, wenn dieses oder jenes passiert.“ Die Gefahr ist Teil des Sports, aber kein dominierendes Thema. „Wenn man Angst hat, kann man keine 100 Prozent rausholen.“ Ein Satz, der sitzt – und den sie selbstverständlich sagt.

Wenn man Angst hat, kann man keine 100 Prozent rausholen

Ivonn Simeonova / …read more

Source:: Kurier.at – Sport

      

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