
Ruhig und unaufgeregt, präzise, akribisch: So nähern sich Nina Scholz, Heiko Heinisch und Gustav E. Gustenau einem der brennendsten Probleme der Gegenwart, dem Vordringen des Islams. Konkret geht es um den „‚Civilization Jihad‘ der Muslimbruderschaft“, den die Autoren gleich im Titel unmissverständlich als „hybride Bedrohung Europas“ bezeichnen.
Das Buch ist nicht als Verkaufsschlager konzipiert, sondern versteht sich als Studie zum Thema. Die 1928 gegründete Muslimbruderschaft (MB), „die älteste und einflussreichste islamistische Organisation“, gilt den Autoren als „Speerspitze des politischen Islam“, die eben deswegen besondere wachsame Aufmerksamkeit verdient. Was nicht ganz einfach ist, weil sich die MB mit ihrem „Netzwerk auf Vorfeld- und Unterorganisationen“ sowie einer „Massenbewegung aus Sympathisanten“ nur schwer fassen lässt.
Doch sind die Autoren überzeugt, dass es im Kern um „ein langfristig angelegtes Projekt zur politischen, ideologischen, kulturellen und religiösen Umgestaltung demokratischer Staaten und Gesellschaften geht“. Oder, wie sie an anderer Stelle schreiben: „ein messianisch aufgeladenes Projekt, das in der Utopie einer islamischen Weltherrschaft […] kulminiert“.
Elf Handlungsfelder machen Scholz & Co. aus, auf denen bzw. mittels derer die MB dieses Projekt zu realisieren trachtet: von „Kultur/Civilization und Ideologie“ über „Staat und staatliche Institutionen“, „Kommunikation“, „Wirtschaft“ bis hin zu „Gegner des Islamismus“ und „Mittel der Kriegsführung“.
Destabilisierung
Und entlang dieser Handelsfelder werden in der Folge die einzelnen fünf Phasen des MB-Projekts dargestellt: „Vorbereitung“ (zwei Phasen), „Destabilisierung“, „Konfrontation“, „Machtübernahme“. Es wird also skizziert, wie in der jeweiligen Phase die oben genannten Handlungsfelder von der MB bearbeitet werden, was also z. B. die Phase der Destabilisierung für Bereiche wie Wirtschaft oder Kommunikation bedeutet.
Wobei die Autoren klar festhalten, dass für die Phasen 4 (Konfrontation) und 5 (Machtübernahme) „bislang keine konkreten Planungen der MB für Europa bekannt“ seien; allerdings legten „die drei ersten Phasen der Strategie, ihr Vorgehen in muslimischen Staaten und das übergeordnete Ziel einer islamisch dominierten Weltordnung […] die weiteren Handlungsoptionen nahe“.
Das alles liest sich durchaus beunruhigend, ja, beklemmend. Umso mehr wäre es den politisch Verantwortlichen als (Pflicht-)Lektüre dringend zu empfehlen.
Source:: Kurier.at – Kultur



