Wie Kulturinstitutionen zu Bittstellern gemacht werden

Kultur

Sehr geehrtes Kulturamt!

Ich bin schon neugierig auf die kommende Woche. Am Mittwoch wird der Finanzminister sagen, wie viel in der Kultur eingespart werden muss. Am Donnerstag wird der neue ORF-Chef bestellt, der auch heftig sparen wird müssen. Meine Haltung dazu: Weg mit den Subventionen, nur wer sich am freien Markt behauptet, kann langfristig erfolgreich sein. Soweit mein Antrag – auch wenn Sie bestimmt ein viel zu kleiner Kulturbeamter sind, um das durchsetzen zu können.

Mit freundlichen Grüßen, P. T.

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Sehr geehrter P. T.,

vielen Dank für Ihren Antrag, dessen Einlangen wir hiermit bestätigen (Geschäftszahl 19/2026), der uns allerdings an jenen Ihres Vor-Antragstellers H. K. erinnert, den abzulehnen wir uns schon zuletzt genötigt sahen. Kein Geld mehr für den ORF, kein Geld für die Kultur – dieser Geisteshaltung uns anzuschließen, werden wir auch fürderhin nicht gewillt sein, weil wir der Überzeugung sind, dass eine Gesellschaft dafür, was ihr wichtig ist, Geld auszugeben bereit sein muss. Sowohl der ORF, als auch Kunst und Kultur generell, sind demokratiepolitisch und psychohygienisch essenziell für dieses Land, auch wenn manche Gruppen das nicht wahrhaben wollen.

Was nun die Anlässe für Ihren Antrag betrifft, glauben wir doch, dass sie anders gelagert sind. Beim ORF waren selbst wir, die wir uns für Kenner des austriakischen Systems halten, überrascht, wie flach die inhaltliche Debatte verlief, wie sehr es primär um politische Allianzen zu gehen schien. Daraus ableitend verstehen wir jeden, der sich nicht für den Job des Generaldirektors bewarb. Und so sehr wir öffentliche Debatten befürworten, so sehr hatten wir zuletzt das Gefühl, dass diese das stark reduzierte Kinderprogramm rund um Kasperl, Tintifax und Krokodil substituieren sollten.

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In Hinblick auf Kulturförderungen wiederum halten wir es für inakzeptabel, dass Institutionen bis zuletzt keine Information über die ihnen künftig zur Verfügung stehenden Mittel bekamen. Die Absicht dahinter scheint evident: Nur kein Aufschrei bezüglich einzelner Positionen im Vorfeld. Doch dieser Umgang ist realitätsfremd, weil er Planungsnotwendigkeiten missachtet. Und er macht Kulturschaffende zu Bittstellern und ignoriert deren Bedeutung für dieses Land. Man kann immer in Frage stellen, ob Förderungen richtig eingesetzt sind. Doch wenn Kunst und Kultur zu reinen (lästigen) Budgetposten degradiert werden, läuft grundsätzlich etwas falsch in der Politik. Nur zur Einordnung: Wir reden von weniger als einem Prozent des Bundesbudgets.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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